Korean Article Bank

한국신학논문은행에 대하여

2007/07/22 (22:28) from 84.173.194.96' of 84.173.194.96' Article Number : 529
Delete Modify Alpha-Forum Access : 4970 , Lines : 91
Prof. Dr. Vittorio Hsle



 
Sendetag: 26.03.2003, 20.15 Uhr


 Prof. Dr. Vittorio Hsle


im Gesprch mit Dr. Dieter Lehner  


Zur Person
Funktionen und 훝ter
Kontakt
Verffentlichungen


Lehner: Willkommen bei Alpha-Forum, verehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, zu Gast ist heute der Philosophieprofessor Vittorio Hsle. Ich begr廻e Sie ganz herzlich, Herr Hsle. Sie gelten ja als einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, Ihr Name Vittorio Hsle zeigt, dass Sie zwei verschiedenen Kulturen entstammen. Der Name "Vittorio" verweist darauf, dass Sie in Italien geboren und zumindest bis zur Schulzeit aufgewachsen sind. Danach kamen Sie dann nach Deutschland. Der Name "Hsle" deutet wiederum eher ein wenig auf schwbische Bodenstndigkeit hin. Ihr Vater ist der Romanistikprofessor Johannes Hsle. Wie haben Sie Ihre Kindheit in diesen beiden Lndern erlebt? Hat Sie das bis heute geprgt?  
Hsle: Ja, sicher, denn eine der Erfahrungen, die man als Kind schon sehr frh macht, ist, dass man unterschiedlichen Normen, unterschiedlichen Erwartungsvorstellungen ausgesetzt ist. Dies habe ich als Kind schon sehr frh empfunden, besonders, als wir schlielich von Italien nach Deutschland zogen: Hier in Deutschland waren ganz andere Benimmregeln angesagt als in Italien. Das ist auch gut so, denn das fhrt dazu, dass man relativ bald zu der berzeugung kommt, dass das letzte Kriterium der Begrndung von Normen nicht in faktischen Gebruchen liegen kann, da es ja ganz offensichtlich Widersprche zwischen den einzelnen Normensystemen gibt, die in den verschiedenen Kulturen verwirklicht worden sind.  
Lehner: Sie haben ja eine phnomenale Karriere hingelegt schon als relativ junger Mensch. Sie haben sich als Elfjhriger Latein und Griechisch im Selbststudium beigebracht.  
Hsle: Griechisch war das nur, denn Latein lernte ich an der Schule.  
Lehner: Sie haben darber hinaus ein Konversationslexikon ich nehme an, es war der Brockhaus von A bis Z durchgearbeitet. Warum interessiert sich denn ein Elfjhriger fr diese Dinge?  
Hsle: Man muss immer aufpassen bei solchen Geschichten: Hier gibt es zwar einen Kern an Wahrheit, der aber hufig bertrieben wird. Griechisch habe ich in der Tat alleine gelernt, weil ich vom Lateinischen und der antiken Welt sehr begeistert war. Mein Vater, der in der Schule selbst auch Griechisch gelernt hatte, konnte mir dabei natrlich helfen. Auch ein Lehrer an unserem Gymnasium in Regensburg, Herr Karl, hat mir immer geholfen, wenn ich Fragen hatte. Ich hatte sicherlich eine Begeisterung fr die Wertvorstellungen der Antike, fr die Logik dieser Sprachen. Dieses Konversationslexikon war aber nicht der Brockhaus, sondern es hie, wie ich glaube, "Enzyklopdie von A bis Z fr Kinder und Jugendliche". Diese Enzyklopdie hatte ich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Mein Vater fragte mich dann nach einer Weile, wie mir dieses Buch gefllt und ob ich es eigentlich benutzen wrde. Ich antwortete ihm: "Ich bin jetzt beim Buchstaben E." Ich glaube, ich bin dann doch nicht ganz bis zum Ende gekommen, aber ich habe zumindest angefangen, es von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Das war nun einmal die Art und Weise, wie ich als Kind Bcher gelesen habe. Als Grund kann ich darber hinaus nur angeben, dass eine der treibendsten Krfte sicherlich meine Neugier gewesen ist. Ich wollte einfach mglichst viel ber die Welt erfahren, weil ich die Welt fr einen sehr interessanten Platz halte. Dabei knnen einem Bcher helfen, aber auch die Vertrautheit mit fremden Sprachen und der Blick von einer anderen Kultur aus. Denn diese antike Kultur war ja fr unsere Kultur einerseits ein Vorbild, andererseits war sie von der unsrigen doch in vielem sehr unterschieden. Ich glaube, darin liegt auch der Bildungswert der klassischen Antike: Wir verstehen uns selbst viel besser, wenn wir die klassische Antike kennen. Dies aber nicht nur deshalb, weil wir damit unsere Vergangenheit besser durchschauen knnen, sondern weil wir uns dann, wenn wir an unserer eigenen Zeit etwas Negatives zu finden meinen, nicht mit einem abstrakten Utopismus begngen mssen, sondern ein konkretes Gegenmodell relativ gut kennen lernen knnen.  
Lehner: Die Antike hat Sie als Schler auch noch auf andere Weise fasziniert: Sie haben nmlich auch Theater gespielt, nmlich antike Tragdien. Wie kamen Sie denn dazu?  
Hsle: Das war eines der ganz groen Bildungserlebnisse meiner Jugend und eigentlich bis heute: Die griechischen Tragiker sind einfach hervorragend. Es gibt ganz, ganz wenig anderes, was ihnen als Produkt des menschlichen Geistes gleichkommt. Als ich als Teenager die griechischen Tragdien las, hatte ich den Eindruck, das ist etwas, das uns sehr viel zu sagen hat. Da ich mich fr Theater interessierte, habe ich eben zusammen mit anderen Schlern an unserem Gymnasium eine Theatergruppe gegrndet. Auch im ersten Jahr an der Uni in Regensburg haben wir das noch weitergefhrt. Wir haben dabei verschiedene dieser griechischen Tragdien von Aischylos, Sophokles und Euripides aufgefhrt. Mein zweites Buch "Die Vollendung der Tragdie im Sptwerk des Sophokles" ist aus dieser Beschftigung mit der griechischen Tragdie seit meiner Teenagerzeit hervorgegangen.  
Lehner: Sie haben ja auch eine phnomenale Schulkarriere hingelegt: Sie haben zwei Klassen bersprungen und mit 17 Jahren Ihr Abitur gemacht. Wie kommt man damit eigentlich im sozialen Umfeld zurecht? Ich habe da z. B. die Anekdote gehrt ber einen Sportlehrer, der Sie im Sportunterricht recht maltrtiert hat. Ein Mitschler sagte dann zu diesem Lehrer: "Seien Sie vorsichtig mit dem Hsle, vielleicht haben Sie ihn ja nchstes Jahr in Latein!" Sie haben die Lehrer also anscheinend ganz gut zur Verzweiflung gebracht mit Ihrem Wissen. Wie haben denn darauf Ihre Mitschler und auch Ihre Schwestern reagiert?  
Hsle: Ich hatte ein gutes Verhltnis zu den meisten meiner Mitschler und ganz sicher zu meinen Schwestern. Auch zu den Lehrern hatte ich ein sehr gutes Verhltnis: Ich habe von vielen Lehrern sehr viel gelernt. Diese Anekdote birgt jedoch eine kleine Vernderung gegenber der ursprnglichen Wahrheit. Dieser Lehrer, der berhaupt nicht unsympathisch war, lehrte Sport und Latein und kam von selbst auf mich zu und sagte: "Du bist miserabel im Sport, aber ich will dich nett behandeln, denn vielleicht habe ich dich nchstes Jahr in Latein." Es ist also nicht so, dass ein anderer Schler ihn erpresst htte, sondern er hat das selbstironisch so gesagt. Denn es war wohl richtig, dass er selbst kein sehr guter Lateinlehrer war und Angst hatte, dass ich ihm vielleicht zu genaue Fragen stellen wrde, wenn er mich im Jahr darauf mglicherweise unterrichten wrde. Nein, ich kann mich ansonsten berhaupt nicht beklagen: Ich habe mich sehr wohl gefhlt an der Schule. Ich bin aber trotzdem froh darber, dass ich die Mglichkeit hatte, die Schule schneller absolvieren zu knnen. Denn nicht nur berforderung ist ja ein Problem, sondern auch Unterforderung kann ein Problem sein. Genau dies haben aber die Lehrer an meiner Schule relativ bald begriffen und mir selbst den Rat gegeben, das erste Jahr Griechisch an der Schule zu berspringen und gleich in das zweite Jahr zu wechseln, weil ich Griechisch eben schon recht gut konnte. Ich htte mich einfach gelangweilt, wenn ich das erste Griechischjahr mit den anderen Schlern zusammen htte durchmachen mssen. Denn ich war zu dem Zeitpunkt ja bereits in der Lage, ziemlich schwierige griechische Texte zu lesen: Die "Antigone" von Sophokles hatte ich schon mit 12, 13 Jahren auf Griechisch gelesen. Da hat es keinen Sinn, mit 14 Jahren noch das erste Jahr Griechisch zu machen. Ich meine also, dass die Lehrer an unserer Schule hier sehr flexibel waren. Das ist ja in Deutschland nicht immer garantiert: Es gibt hier hufig einen Gleichmachereiwunsch. Der war aber an unserer Schule nicht da und dafr bin ich meinen Lehrern sehr dankbar.  
Lehner: Sie wurden ja schon frh mit gewissen Begriffen apostrophiert wie Genie, berflieger, Ausnahmebegabung. Hat Sie das eher belastet oder hat Sie das eher befreit?  
Hsle: Ach, wissen Sie, man soll so etwas ignorieren. Solche Begriffe sind natrlich hufig malose bertreibungen: Man hat gewisse Talente und man versucht aus ihnen zu machen, was man kann. Man muss ganz einfach zunchst einmal dem eigenen Dmon gerecht werden. Man muss also eine gewisse Selbstmastblichkeit entwickeln: Das heit, man muss das machen, was man aufgrund innerer Kriterien fr richtig hlt. Ob das nun andere Leute befriedigt oder nicht, ist letztlich zweitrangig. Das muss auch zweitrangig bleiben, vor allem dann, wenn man in the long run hofft, etwas zu machen, was von einem gewissen Wert ist.  
Lehner: In welchem Alter haben Sie sich eigentlich entschlossen, Philosoph zu werden? Warum? Hat das mit dem Universalismus dieses Fachs zu tun?  
Hsle: Das war der Hauptgrund. Ich wusste nicht, was ich studieren sollte. Ich war eben in der Schule in den meisten Fchern sehr gut gewesen, auer im Sport und in der Musik. Ich fragte mich also, was ich studieren sollte und kam dann zu der berzeugung, dass mir die Philosophie erlaubt, diese doch ziemlich weiten Interessen mglichst weiterzufhren, weil es ja eben eine Philosophie zu jedem einzelnen Fach gibt. Und ich habe dann in meiner spteren Arbeit als Philosoph auch versucht, mich in den verschiedenen Disziplinen der Philosophie zu bettigen. Im letzten Jahrzehnt war ich allerdings schwerpunktm癌ig mit der praktischen Philosophie beschftigt: also mit Ethik und politischer Philosophie. Aber frher und ich hoffe auch in der Zukunft will ich mich schon auch wieder mit theoretischer Philosophie und 훥thetik beschftigen.  
Lehner: Sie haben zumindest implizit die These aufgestellt, dass Kinder die wahren Philosophen seien. Sie haben ja auch ein Buch geschrieben, "Das Caf der toten Philosophen". Das ist ein Briefwechsel mit einem damals 11- bis 13-jhrigen Mdchen, das Sie als Professor sozusagen philosophisch beraten haben. Wie kamen Sie zu dieser These? Warum ist es so, dass Kinder die wahren Philosophen sein sollen? Weil sie vielleicht noch einen unverstellten Blick auf bestimmte Fragen haben?  
Hsle: Ja. Ohne Zweifel ist einer der Grnde, der Kinder zum Philosophieren prdisponiert, diese unverstellte Neugierde. Man hat als Kind keine Hemmungen, die durch soziale Rcksichten bedingt sind, das auszusprechen, was sich unmittelbar aufdrngt: "Der Kaiser ist nackt!", kann eben nur ein Kind rufen. Die anderen Leute glauben entweder, dass der Kaiser wirklich diese ganz feinen Gewnder anhat, oder wenn sie selbst durchschauen, dass er nackt ist, wagen sie es nicht zu sagen, um sich nicht unbeliebt zu machen. Ich denke, dass dieser unverhohlene Zugang zur Realitt in der Tat einer der gr秤ten Vorzge der kindlichen Existenz ist. Ich erkenne das ja jetzt auch an meinen eigenen Kindern. Die Art und Weise, wie sie die Schnheit der Welt wahrnehmen knnen, ist etwas, das einen immer wieder bewegt. Ich erinnere mich noch daran, dass eines der schnsten Erlebnisse, das ich mit meinem Sohn hatte, darin bestand, dass er zu Beginn seines zweiten Lebensjahres er war vielleicht 15 Monate alt im Garten ein Blatt aufhob und dieses Blatt lange anschaute. Man erkannte, das Kind genoss und sog gleichsam die Schnheit dieses Blattes ein. Das ist fr uns Erwachsene viel schwieriger, weil wir von Termin zu Termin hetzen und einfach auch nicht diese Frische des Weltzugangs haben. Wir haben schon so viele Bltter gesehen, da knnen wir nicht zum ersten Mal die Schnheit der Form und der Farbe eines Blattes wahrnehmen. Es sind auch Assoziationen mit Blttern verbunden, die bei einem Kind noch nicht da sind usw. Die Frische und die Neugierde sind also zwei ganz besonders wichtige Aspekte und das hat mir damals eben Nora in hervorragender Weise vor die Augen gefhrt. Nora war und ist ein auerordentlich begabter Mensch: Sie stellte mir eben sehr ernste philosophische Fragen, bei denen ich genau sprte, dass sie nicht gestellt wurden, um zu zeigen, dass sie damit andere Leute irgendwie beeindrucken will, dass sie ber diese Fragen nachgedacht hat. Nein, berhaupt nicht, sie wusste auch gar nichts von der Verffentlichungsabsicht. Das waren einfach Fragen, die sie ganz ernst beschftigten. Ich denke, dass man eine moralische Pflicht hat, Kindern bei der Beantwortung dieser Fragen zu helfen. Wenn man sie zurckst秤t und zu ihnen sagt, "Nein, es ist nicht interessant, womit du dich befasst", begeht man ein Verbrechen an der Seele zumindest eines begabten Kindes. Und ich denke, wir alle haben bestimmte Begabungen. Der Wert einer Gesellschaft bemisst sich u. a. daran, wie weit es mglich ist, diese Begabungen zu frdern und zu entfalten.  
Lehner: Offenbart das nicht auch Schwchen unseres Erziehungs- und Ausbildungssystems? Lehrer und Eltern sind ja nicht die idealen Adressaten, um solche Fragen zu stellen.  
Hsle: Das ist ohne Zweifel so. Ich glaube in der Tat, dass wir alternative Erziehungsformen finden mssen. Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, derartige existentielle philosophische Fragen mit den eigenen Eltern zu besprechen. Auch mit Lehrern ist das hufig schwierig, weil man Lehrer eben als Autorittspersonen ansieht. Ich kam ja als Freund der Familie zu Nora und hatte dadurch keine irgendwie geartete amtliche Stellung. Das hat sicher die Kommunikation zwischen uns beiden erleichtert. Deswegen meine ich, sollten Eltern, die an der Zukunft ihrer Kinder interessiert sind, eben viel in deren Ausbildung investieren. Auerhalb des staatlichen Rahmens ist es wichtig, dass man private Formen der Frderung von Kindern findet.  
Lehner: Wie sehen Sie das als jemand, der selbst als hochbegabtes Kind gegolten hat? Ist die Frderung von Begabung bei uns im Lande ausreichend?  
Hsle: Ich wrde nicht sagen, dass sie ausreichend ist. Ich selbst kann mich, wie gesagt, berhaupt nicht beklagen, aber ich wei von anderen Leuten, dass deren Begabung nicht nur nicht gefrdert, sondern systematisch unterdrckt wurde. Ich denke nicht, dass wir in unserem Schulsystem dafr eine angemessene Diversifizierung haben. Ich glaube, die Menschen sind nun einmal unterschiedlich begabt. Wie gesagt, jeder hat seine Begabung, aber sie befinden sich eben auf unterschiedlichen Feldern. Es ist einfach nicht sinnvoll, dass man denjenigen, der musikalisch hoch begabt ist, in denselben Musikunterricht schickt wie denjenigen, der wie ich nur mit Mhe zwei benachbarte Tne auseinander halten kann. Das hat keinen Sinn. Wir mssen uns also auf eine strkere Differenzierung einlassen. Ich selbst habe ja in den USA ein ganz neues Phnomen der Schule kennen gelernt, nmlich das Home Schooling. Das heit, dass Kinder zu Hause unterrichtet werden von den Eltern. In den USA ist das ja sehr verbreitet. Es gibt inzwischen Millionen von Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten. Teilweise machen das die Eltern selbst, teilweise sind das mehrere Eltern, die sich zusammentun, teilweise bestellen sie Privatlehrer. Es gibt natrlich auch staatliche Kontrollen dabei: Sie kommen alle drei Monate, um festzustellen, was die Kinder gelernt haben. Es ist also nicht so, dass das in das Belieben der Eltern gestellt wre, denn das knnte natrlich auch schief gehen. Es muss also kontrolliert werden, dass die Kinder die Grundfertigkeiten erlernen. Aber wenn die Kinder das in einem System lernen knnen, in dem sie eben auch bestimmte moralische Werte vermittelt bekommen knnen, die an der Schule schwerer zu vermitteln sind, dann frage ich mich, was daran falsch sein soll. Ich denke also, wir mssen in Deutschland immer mehr von diesem blinden Etatismus wegkommen. Selbst einige unserer Nachbarlnder wie z. B. Holland machen das anders. In Holland sind 75 Prozent der Schulen nicht staatlich. Holland hat auch einen hervorragenden Sozialstaat. Es bestehen ja auch Mglichkeiten, durch staatliche Mittel den Zugang zu Privatschulen zu frdern. Denn der Staat wird dadurch ja entlastet, wenn Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Wir brauchen also in der Tat Privatschulen. Wir brauchen auch innerhalb der staatlichen Schulen meines Erachtens ein wesentlich differenzierteres Lohnsystem. Ich glaube nicht, dass das Beamtensystem das beste System ist, um Innovation und Leistung an den Schulen und Hochschulen zu frdern.  
Lehner: Sie selbst haben ja sehr viele verschiedene Hochschulen kennen gelernt. Sie waren bereits mit 26 Jahren Professor und sind danach dann weltweit sozusagen in Sachen Wissenschaft herum gereist. Sie waren in Korea, in Norwegen, in Italien, in Amerika: Welches System hat Sie denn letztlich am meisten berzeugt?  
Hsle: Leider ist hier die Antwort recht einfach: Amerika! Es gibt keine Alternative zum amerikanischen Universittssystem. Es ist weltweit das Beste, wie einfache Daten bereits beweisen. 65 Prozent der Nobelpreise der letzten Jahrzehnte gingen an US-Amerikaner. 70 Prozent der wenigen Deutschen, die in den letzten Jahrzehnten Nobelpreise erhalten haben, lehren an amerikanischen Universitten. Es ist einfach das beste Universittssystem der Welt. Warum? Weil das eben ein intelligenter Mix aus staatlichen und privaten Universitten ist, weil die privaten Universitten ber eigenes Kapital verfgen, denn sie haben die Struktur einer Stiftung. Es war eine ganz wichtige Entscheidung, die den Aufstieg Amerikas mitbegrndet hat, dass 1818 oder 1819 das oberste Gericht des Landes Massachusetts, wenn ich mich nicht tusche, zunchst einmal beschlossen hatte, dass das Dartmouth-College, das heute eine der zehn besten amerikanischen Universitten ist, vom Staate kassiert wird. Das war nmlich eine private Universitt. Dann hat aber der Supreme Court diese Entscheidung aufgehoben und erklrt, dass die Verstaatlichung von privaten Stiftungen gegen den in der amerikanischen Verfassung ausgesprochenen Schutz von Vertrgen verst秤t. Aus diesem Grund gibt es seitdem als Stiftungen funktionierende Universitten. In Deutschland hatten wir ja bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ein hnliches System. Als der Staat sehr, sehr viel Geld brauchte, hat er durch die Skularisation von Kircheneigentum, aber auch von unabhngigen Universitten all diese Anstze beseitigt. Damit hat er sich die Verantwortung fr die Universitten vollstndig aufgebrdet. Ich denke aber, dass das nicht gut luft. Ich bin vielmehr der Meinung, dass Universitten genauso wie Unternehmen Konkurrenzdruck spren mssen, dass nur die Konkurrenz dazu fhrt, dass Leistung belohnt wird, dass es sinnvoll ist, wenn in Amerika die Studenten an den Kosten ihres Studiums beteiligt werden, denn sie sind ja diejenigen, die am meisten davon profitieren. Ich verstehe nicht, was es mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat, dass in Deutschland die Putzfrau fr das Studium eines spteren Chefarztes mit aufkommen muss: Der soll spter aus seinem Differentialeinkommen zurckzahlen, was sein Studium gekostet hat. Ich sehe auch nicht ein, warum alle Professoren gleich bezahlt werden sollen, wenn sie das gleiche Alter haben, und dies auch dann, wenn sie sehr Unterschiedliches leisten. Die einzige Mglichkeit in Deutschland, den eigenen Etat aufzubessern, besteht darin, dass man sich anderswo bewirbt. Das heit, dass man sich bei einer anderen Institution engagiert. Bei uns in den USA sind die Gehaltserhhungen im Wesentlichen unabhngig von auswrtigen Rufen: Sie sind vielmehr davon abhngig, was man an der eigenen Institution leistet. Dies fhrt dann dazu, dass die Studenten und die Professoren mit gr秤erer Motivation arbeiten und sie sich auch viel strker mit der Universitt identifizieren. Dies kann man z. B. daran erkennen, dass sich etwa ein Drittel des Einkommens unserer Universitt aus Spenden ehemaliger Studenten speist, weil eben die Studenten ihrer ehemaligen Institution dankbar sind und sie dann ihr ganzes Leben lang diese Institution auch untersttzen.  
Lehner: Unter den Professoren gibt es auch viele Philosophieprofessoren. Unter Ihren Kollegen haben Sie sich aber nicht nur Freunde gemacht: dies vor allem auch deshalb, weil Sie sehr kritisch mit Ihrem eigenen Fach umgehen und von einer Krise der Philosophie sprechen. Darber haben Sie auch etliche Bcher geschrieben. Warum existiert diese Krise der Philosophie?
Hsle: Ich habe mich bei manchen deutschen Kollegen aus zwei Grnden nicht sehr beliebt gemacht. Der eine Grund war, dass ich die institutionellen Rahmenbedingungen des deutschen Universittssystems scharf kritisiert habe -- wie ich glaube, mit guten Argumenten. Ich habe eben versucht zu zeigen, dass das deutsche System letztlich korporatistisch ist, d. h. nach einem Zunftdenken funktioniert. Demgegenber bin ich der Ansicht, dass wir in das Universittssystem ein Marktprinzip einfhren mssen. Der andere Grund ist ein inhaltlicher Grund. Ich denke, dass die Philosophie im Wesentlichen zu tun hat mit dem Herausarbeiten von unbedingten Geltungsprinzipien und dass der durchgehende Relativismus das Wesen der Philosophie verrt. Man kann nicht Philosophie betreiben, wenn man nicht davon berzeugt ist, dass es tatschlich so etwas wie eine objektive Wahrheit und eine objektive Gerechtigkeit gibt. Ich glaube auch, dass eine andere groe Gefahr fr die Gegenwartsphilosophie darin besteht, dass sich die Leute zu frhzeitig spezialisieren. Die Philosophie hat sich nmlich von Anfang an immer verstanden als der Versuch einer Vision des Ganzen. Wenn man aber schon mit 20 Jahren wei, dass man in den nchsten 50 Jahren ausschlielich analytische Sprachphilosophie machen will, dann wird man diesen umfassenden Begriff von Philosophie nicht in den Griff bekommen knnen.  
Lehner: Sie kritisieren ja auch einen gewissen Akademismus, also die Nicht-Fhigkeit von Wissenschaftlern, komplexe Zusammenhnge zu erkennen: Sie schmoren stattdessen sozusagen immer nur im eigenen Saft.  
Hsle: Das ist ohne Zweifel so. Ich denke, dass die Philosophie traditionell immer schon mehrere literarische Medien zu bedienen gewusst hat. Es gibt Philosophen, die Traktate geschrieben haben nur fr Eingeweihte, fr Leute, die sich ihr ganzes Leben lang mit bestimmten Fragen beschftigen. Gleichzeitig waren sie aber auch in der Lage, andere literarische Formen wie z. B. den philosophischen Dialog zu bemhen, um sich an ein gr秤eres Publikum wenden zu knnen. Selbst ein Mann wie Kant hat ja nicht nur die "Kritik der reinen Vernunft" geschrieben, die ohne Zweifel keine Wochenendlektre ist: man muss hart arbeiten, um dieses Werk verstehen zu knnen. Nein, er hat auch Werke verfasst, die sich an ein gr秤eres Publikum wandten, in denen er versuchte, z. B. an der Diskussion "Was ist Aufklrung?", "Gibt es Fortschritt in der Geschichte?" so teilzunehmen, dass auch der gebildete Brger ihm folgen knnte. Ich denke, dass dies sehr wichtig ist. Wenn die Philosophie ein Teil einer lebendigen Kultur sein will, dann muss sie versuchen, sich an eine gr秤ere ffentlichkeit zu wenden. Dies ist mir also auch bel genommen worden: teilweise von Leuten, die, wenn sie selbst die Chance htten, sich hufiger an eine gr秤ere ffentlichkeit zu wenden, sehr froh darber wren. Das Neidproblem spielt hier also auch eine gewisse Rolle bei der Kritik, die an mir gebt worden ist. Ich halte es aber weiterhin fr wichtig, dass die Philosophie nicht nur fr Philosophen betrieben wird, sondern fr die Menschheit als Ganze. Natrlich muss es auch sehr strenge, fachliche Abhandlungen geben, aber es muss gleichzeitig auch die Mglichkeit geben, einer Kultur als Ganzer klar zu machen, warum wir Philosophie brauchen.  



    


Lehner: Wollen wir nun den Versuch unternehmen, die Situation der Wissenschaft vielleicht mit drei zentralen Begriffen aus der Philosophie zu umschreiben: Ethik, Vernunft und Ideale. Vielen Wissenschaftlern sind ja die ethischen Implikationen ihres Tuns nicht mehr bewusst. Ein gutes Beispiel dafr waren ja damals die Massenvernichtungswaffen. Heute nun sprechen wir z. B. vom "therapeutischen Klonen". Wie sehen Sie diese Situation?  
Hsle: Es ist sicher eines der ganz groen Probleme unserer Zeit, dass das technische Wissen schneller voran kommt als die begleitende ethische Reflexion. Deswegen gibt es ja auch all diese Kommissionen, die im Prinzip auch sehr vernnftig sind und auch notwendige Arbeit tun. Es hat keinen Sinn, etwa Entwicklungen im biologischen Bereich einzuleiten, wenn wir nicht genau wissen, was ihre Konsequenzen sind. Wir mssen daher versuchen, die Schere zwischen der ethischen Rationalitt und der naturwissenschaftlich-technischen Rationalitt irgendwie zu schlieen. Das ist allerdings nicht einfach. Ein Preis, den wir dafr zahlen mssen, besteht darin, dass die wissenschaftliche Entwicklung dadurch verlangsamt wird. Ich selbst bin z. B. kein Freund des therapeutischen Klonens: Ich denke, dass das entscheidende Argument das Argument fr den Schutz des ungeborenen Lebens ist. Es ist nur sehr schwer zu argumentieren, dass etwa kleine Kinder, die ja noch keine ausgebildete Vernunft haben, Rechte haben dies werden nur die wenigsten Menschen bestreiten wollen , wenn wir gleichzeitig bestreiten, dass Embryonen selbst im Frhstadium Rechte haben. Ich hielte es wirklich fr sehr schwer, dieses Argument durchhalten zu knnen. Daher meine ich, dass dieser ganze Terminus "therapeutisches Klonen" irrefhrend ist. Denn es geht beim therapeutischen Klonen zwar mittel- und langfristig um das Heilen von Menschen das wahrscheinlich auch auf anderem Wege erreicht werden kann , aber zunchst und unmittelbar geht es darum, Embryonen zu tten. Der Ausdruck "therapeutisches Klonen" fr einen Ttungsvorgang scheint mir zutiefst irrefhrend.  
Lehner: Brauchen wir heute noch Vernunft? Heutzutage sind ja nicht nur rationale Dinge gefragt: Man spricht von sozialer, von emotionaler Kompetenz und Intelligenz. Vernunft hat ja auch etwas mit Selbstbeschrnkung zu tun und mit der Fhigkeit, Eitelkeiten zurckdrngen zu knnen. Ist es ein Wunschdenken, heute noch Vernunft einzufordern?  
Hsle: Nein, das ist kein Wunschdenken, denn die menschliche Natur ist wesentlich eine vernnftige Natur. Emotionen haben auch die anderen Tiere. Vernunft, im Sinne der Fhigkeit, sich ber die Prinzipien des eigenen Handelns Rechenschaft abzugeben, ist jedoch eine eminent menschliche Fhigkeit. Die Vernunft aufzugeben, hiee also, uns vollstndig zu dehumanisieren. Die Polemik gegen die Vernunft bei uns hat damit zu tun, dass viele Menschen nur einen sehr reduzierten Begriff von Vernunft haben. Sie meinen, dass Vernunft nur die technisch-wissenschaftliche Rationalitt sei. Demgegenber habe ich einen viel strkeren Vernunftbegriff: Ich glaube mit Kant, dass etwa die Ethik auf einer praktischen Vernunft basiert, dass die Herausarbeitung des richtigen Normensystems eine Leistung der Vernunft ist und dass wir selbstverstndlich eine solche rationale Kontrolle unserer Emotionen brauchen. Ich bin aber keineswegs gegen Emotionen: Im Gegenteil, ich finde, dass ein Mensch ohne Emotionen etwas Erschreckendes hat. Aber es ist ebenso wichtig, dass wir durch die Vernunft welches Vermgen sonst knnte das tun die Fhigkeit entwickeln, jene unserer Emotionen, die abstoend sind wie etwa brutale Aggression, von denjenigen Emotionen zu unterscheiden, die einen intrinsischen Wert haben wie z. B. die Liebesfhigkeit. Aber das Vermgen, diese Unterscheidungsleistung zu treffen, ist das Vermgen der Vernunft.  
Lehner: Brauchen wir heute noch Ideale? Sie haben einmal geschrieben, Ideale drften keine Seifenblasen sein. Was heit das?  
Hsle: Wir brauchen selbstverstndlich Ideale. Wir knnen doch gar nicht handeln, ohne irgendwie einen normativen Vorblick auf das, was wir eigentlich wollen. Die Ideale mssen allerdings so sein, dass sie vermittelbar werden mit der Realitt und dass sie auf einer Kenntnis der Realitt basieren. Es gibt nmlich auch einen aggressiven Moralismus, der Ideale hat, die in sich nicht wahrhaft sind, die, wenn man sie durchdenkt, z. B. zu Aporien und Widersprchen fhren. Es gibt wiederum andere Ideale, die zwar langfristig sehr vernnftig sind, die aber dann, wenn man sie sofort implementieren oder sich so verhalten wrde, als ob sie schon gelten wrden, zu katastrophalen Folgen fhren wrden. Insofern brauchen wir natrlich auch eine Kritik der utopischen Vernunft: Aber eine Kritik der utopischen Vernunft ist nur mglich, wenn wir anerkennen, dass es einen normativen Horizont gibt, etwas, das wir tun sollen, unabhngig von unserer Interessenlage. Damit haben wir uns nmlich schon einem bestimmten Ideal verschrieben.  
Lehner: Ein Ideal fr viele Menschen waren ja ber Jahrtausende hinweg die Religionen. Sie sprechen von einer Erosion der Religionen vor allem im 19. und noch strker im 20. Jahrhundert. Woran liegt es, dass die Religion diesen Einfluss verloren hat?  
Hsle: Das hat verschiedene Grnde. Sicher ist die Entwicklung der modernen Naturwissenschaft ein ganz bedeutender Faktor. Die moderne Naturwissenschaft wurde so wahrgenommen, als ob sie im Widerspruch stnde zu zentralen Inhalten der Religion. Die Kirchen haben selbst eine groe Schuld an dieser Entwicklung: Ich nenne hier nur das Stichwort "Galilei". Aber auch die frhere Einstellung vor allem der protestantischen Kirche bei uns ist ein gutes Beispiel fr diese Entgegensetzung, eine Entgegensetzung, die vllig tricht ist, weil die Erfolge der Naturwissenschaft so gut sind, dass es einfach nicht glaubwrdig ist, sich ihnen entgegenzustellen. Die eigentliche Aufgabe hingegen bleibt zu zeigen, dass die Erfolge der Naturwissenschaft vollstndig kompatibel sind z. B. mit einer theistischen Deutung des Universums. Dieser Aufgabe sind die Kirchen aber nicht immer gewachsen geblieben: teilweise deswegen, weil viele Vertreter der kirchlichen Arbeit keine entsprechende Ausbildung haben, teilweise weil sich manche Naturwissenschaftler allerdings nicht alle - einem aggressiven Naturalismus verschrieben hatten, der aber, wie ich bereits sagte, keine notwendige Folge aus ihrem Ansatz darstellt. Die berwindung des Gegensatzes zwischen naturwissenschaftlichem und religisem Denken ist sicher eine der Hauptaufgaben, wenn die Religion wieder strker greifen soll. Ein anderer Grund, der meines Erachtens beim Rckgang der Religionen eine groe Rolle spielt, ist die Entwicklung des Nationalismus, denn Religionen zumindest seit der Entwicklung der Universalreligionen sind ja in ihrer Hochform auf die ganze Menschheit hin ausgelegt. Die Entwicklung des Nationalismus war, obgleich sie positive Funktionen hatte wie etwa die Ausbildung des Sozialstaates, doch insofern sehr gefhrlich, als sie die Einheit der Menschheit untergeordnet hat dem sich Einsetzen fr das eigene Volk. Ich habe gar keinen Zweifel, dass der Nationalismus selbst ein Skularisationsprozess ist und umgekehrt die Skularisierung befrdert hat.  
Lehner: Sie mischen sich ja sehr gerne ein in aktuelle Fragestellungen und gehen damit 'raus aus dem Elfenbeinturm des Wissenschaftlers, des Philosophen. Sie begleiten also moderne Erscheinungen mit Ihren Artikeln und Bchern. Sie saen auch schon in Beraterkommissionen fr Politiker und fr Wirtschaftsmanager. Haben Sie denn den Eindruck, dass Sie Erfolg haben mit solchen aktuellen Bestrebungen?  
Hsle: Ja. Man darf den eigenen Erfolg sicherlich nicht berschtzen, aber er ist langfristig doch gr秤er, als man denkt. Man kann zunchst einmal Impulse geben, man kann dafr sorgen, dass bestimmte Argumente verstanden werden, dass sie gehrt werden. Dass sie dann neben anderen Argumenten gewichtet werden mssen und dass diese Gewichtung dann die Aufgabe der Entscheidungstrger ist, ist vollkommen richtig. Aber Einfluss kann man sehr wohl ausben. Ich habe z. B. selbst in der Kommission gesessen, die "Hoechst" damals eingerichtet hat, um diese Abtreibungspille RU 486 zu bewerten. Ich glaube, dass es wesentlich die Leistung meiner Kollegen war, dass es aber auch den Argumenten geschuldet war, die ich angefhrt habe, dass sich "Hoechst" damals gegen das Medikament entschieden hat. Es ist dann ja durchgesetzt worden nach dem Regierungswechsel. Dass jedoch acht Jahre lang dieses Medikament auf dem deutschen Markt nicht zu haben war, war eine Entscheidung, auf die die Argumente, die in dieser Kommission entwickelt worden waren, einen gewissen Einfluss hatten.  
Lehner: Sie erweisen sich ja auch als Kritiker der Moderne: Sie sprechen in diesem Zusammenhang von konomismus und Alltagszynismus. Wo greift denn diese Alltagszynismus Platz?  
Hsle: Nun ja, dieser Alltagszynismus besteht eben darin, dass man sich nicht mehr etwas Unbedingtem unterworfen glaubt: Dies gilt sowohl fr das je eigene Leben wie auch fr die politischen Gesamtentscheidungen im Hinblick auf eine ganze Nation. Der moralische Mensch ist nmlich derjenige, der zunchst einmal versucht herauszufinden, was eigentlich seine Aufgabe in dieser Welt ist: "Wie kann ich meiner Bestimmung gerecht werden, indem ich etwa bestimmten moralischen Pflichten genge?" Der Zyniker hingegen ist derjenige, der glaubt, dass es so etwas gar nicht gibt. Er denkt z. B. nur an die Vermehrung der eigenen Macht: Hierfr ist er bereit, Opportunist zu sein, alle Prinzipien aufzugeben, sich an die erfolgreichsten Parteien anzuschlieen, wie auch immer sie aussehen mgen. Der Zyniker hat verschiedene Formen: Der Immoralismus ist z. B. eine dieser Formen. Aber es gibt natrlich auch einen Zyniker, der z. B. konservative Werte bemht, weil er damit eine Lebensform weiterfhren kann, die in der Tat nicht moralisch ist, weil sie nicht universalisierbar ist. Dies gilt z. B. fr unseren Lebensstandard: Dieser ist nicht universalisierbar. Wir wissen ganz genau, dass dann, wenn alle Leute so viel Energie konsumieren wrden wie wir, die Erde kollabieren wrde. Es gibt eine konservative Abwiegelung dieses Argumentes, die meines Erachtens auch eine Form des Zynismus ist.  
Lehner: Sind Politiker Zyniker? Sie haben einmal geschrieben: "Politiker hasten von einem Ereignis zum nchsten." Dabei fehlen natrlich die langfristigen Perspektiven.  
Hsle: Es gibt natrlich nicht nur Zyniker unter den Politikern, denn es wre ja sehr schlimm, wenn es so wre. Aber es gibt auch Zyniker unter den Politikern. Das ist sicher so und es ist sicherlich ein grundstzliches Problem unserer Zeit, dass auch die demokratischen Mechanismen, die wir haben, eine Langfristigkeit von Perspektiven nicht erleichtern. Besonders in einem Land wie Deutschland, wo ja permanenter Wahlkampf herrscht, weil anders als in Amerika die Landtagswahlen ber die vier Jahre vllig verstreut sind, hat man den Eindruck, dass eine lngerfristige Positionierung schwer fllt. In einem Land wie den USA, in dem nur alle zwei Jahre auf Bundes- und Staatsebene gewhlt wird, ist es mglich, whrend dieser zwei Jahre etwas konzentrierter an einer bestimmten politischen Strategie zu arbeiten. Diese Strategie kann auch die Falsche sein, denn Richtigkeit ist damit natrlich nicht garantiert, das ist klar. Aber ich denke schon, dass das ein Aspekt ist. Der andere Aspekt, den ich in den USA als genauso problematisch wie bei uns erachte, ist, dass wir in unseren politischen Systemen zwar aufgrund der Prinzipien des modernen Universalismus versuchen, jeden zu reprsentieren - wir haben ein allgemeines und gleiches Wahlrecht , dass aber die kommenden Generationen in diesem System keine Rolle spielen. Daher werden die Interessen der kommenden Generationen in modernen Massendemokratien strukturell verletzt. Sie werden aber auch im Marktgeschehen strukturell verletzt: Denn so effizient der Markt auch ist als Allokationsinstrument, der Markt fhrt immer nur dazu, dass die Bedrfnisse derjenigen mit Zahlungskraft befriedigt werden knnen. Kommende Generationen haben aber nun einmal keine Zahlungskraft. Ich meine, dass wir uns hier in der Tat institutionell etwas Neues berlegen mssen. Ich habe in diesem Zusammenhang ja auch fr so etwas wie einen Rat, eine Art von Vormund der kommenden Generationen, pldiert: Ich pldiere also fr eine Institution, die etwa gegenber bestimmten Gesetzen des Parlaments ein Vetorecht haben msste. So etwas 훖nliches haben wir ja z. B. auch im Hinblick auf das Bundesverfassungsgericht. Wir drfen unter keinen Umstnden die Demokratie aufgeben, aber wir mssen erkennen, dass die modernen Demokratien ja im Grunde aus zwei Prinzipien aufgebaut sind. Es gibt einerseits den Gedanken des allgemeinen und gleichen Wahlrechts und des daraus folgenden Mehrheitsprinzips, wenn es Konflikte gibt. Andererseits haben wir aber auch das liberale Prinzip der Gewaltenteilung und den Schutz der Minderheiten auch gegen den Willen der Mehrheiten. Deswegen haben wir ja auch die Mglichkeit, bestimmte Gesetze, auch dann, wenn sie vom Parlament einstimmig erlassen wurden, durch eine Gruppe von acht Leuten fr verfassungswidrig erklren zu lassen. Ich halte das fr sehr, sehr gut. Ich denke, dass die Logik dieses liberalen Gewaltenteilungsprinzips zu so etwas wie einem Vormund kommender Generationen fhren msste. Dieses Wort ist vielleicht ungeschickt gewhlt: Es ist in Analogie zur zivilrechtlichen Figur des Vormundes gewhlt worden. Es geht jedenfalls um eine Institution, die die Mglichkeit hat, dadurch Langfristigkeit hineinzubringen, dass die Mitglieder dieser Institution selbst nicht von den Launen der Wahlen abhngig sind so, wie wir das eben auch in den Gerichten haben. Ich glaube, dass es unsinnig wre, wie das in den USA der Fall ist jetzt kritisiere ich z. B. die Vereinigten Staaten , etwa Richter periodisch wiederwhlen zu lassen. Die Unabhngigkeit der Richter gert in Gefahr, wenn Richter auch nur gewhlt, geschweige denn gleich gar wiedergewhlt werden. Es ist wichtig, dass der Richter jemand ist, der einer bestimmten Denkweise verpflichtet ist und dieser Denkweise auch dann verpflichtet bleibt, wenn die Majoritt von ihr Abschied genommen hat.  
Lehner: Sie haben vorhin gesagt, unser Lebensstandard sei nicht universalisierbar. Bedeutet das nicht, dass wir mehr Konsumverzicht fordern bzw. ausben mssten? Sie haben ja in einem anderen Zusammenhang auch eine Renaissance asketischer Werte eingefordert. Die Askese ist ja auch eine notwendige Bedingung der Philosophie. Mssen wir also mehr zur Askese zurckkommen?  
Hsle: Ganz ohne Zweifel. Askese ist nicht nur deswegen wichtig, weil wir mit unserer Lebensform aus Pleonexia, wie die Griechen sagten, also aus stndigem Streben nach Mehr den Planeten kaputt machen. Askese ist auch wichtig, um so etwas wie eine geistige Disziplin zu bekommen. Man kann die Komplexitt und Schnheit der Welt nur verstehen, wenn man hart an sich arbeitet. Dies kann man nur dann tun, wenn man sich z. B. nicht stndig ablenken lsst. Ich habe ja auch einmal von einer Informationsaskese gesprochen. Wir sind nmlich viel zu vielen oberflchlichen Informationen ausgesetzt, die es uns nicht erlauben, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Askese heit ja wrtlich "bung": Wer nicht bt, der kann nicht Meister werden!
Lehner: Welche Strategien muss ich denn entwickeln, um dieser unsubstantiellen Informationsflut zu entkommen?  
Hsle: Ich kann nur sagen, wie ich das mache, aber es kann natrlich jeder andere seinen eigenen Weg dorthin suchen. Ich lese z. B. keine Zeitungen: Ich informiere mich ber das Weltgeschehen ber das Internet. Ich halte das Internet, wenn es intelligent benutzt wird, fr eine sehr sinnvolle Zugangsweise. Dort kann ich unter tagesschau.de oder spiegel.de die wichtigsten Nachrichten abfangen: Dann wei ich, was passiert ist. Die Kommentare zu den Nachrichten kann ich mir meistens selbst machen. Als ich jnger war, habe ich auch hufiger die Kommentare in den Zeitungen gelesen, aber inzwischen habe ich so viel Hintergrundwissen, so viele politikwissenschaftliche Kategorien, dass mir das selten weiterhelfen wrde. Das heit, ich brauche also einfach nur Informationen ber die wichtigsten Ereignisse. Darber hinaus lese ich auch in wissenschaftlichen Fachzeitschriften kompetente Artikel zu bestimmten Hintergrundzusammenhngen. Das hilft mir viel mehr, auf dem Laufenden zu sein, als etwa jeden Tag eine Stunde Zeitung zu lesen. Ich selbst schaue auch kaum Fernsehen: Ich bin ohne Fernsehen aufgewachsen. Erst als ich heiratete hat meine Frau, die Koreanerin ist, einen Fernseher mit in die Ehe gebracht, weil sie ganz einfach unsere Sprache weiter ben wollte. Wir haben jetzt auch in den USA einen Fernseher, weil wir wegen unserer kleinen Kinder nicht ins Kino gehen knnen: Deswegen schauen wir uns immer wieder gerne Videos mit klassischen Filmen zu Hause auf dem Fernseher an. Wenn ich aber, abgesehen von diesen Videos, im Jahr zwei bis drei Stunden fernsehe, dann ist das schon viel. So etwas sollte ich eigentlich nicht in einer Fernsehsendung sagen, aber es spricht fr Ihr Medium, dass Sie auch jemanden einladen, der im Hinblick auf die Informationsgewinnung eine etwas andere Lebensform pflegt.  
Lehner: ...und der sich in diesem Medium sehr gut mitteilen kann! Eine zentrale Fragestellung, ein zentraler Punkt in Ihren Werken ist die Frage der kologie. Sie haben vorhin schon angedeutet, dass bei Beibehaltung unseres Lebensstandards der Planet irgendwann kollabieren wird. Sie haben dies auch schon mal noch hrter ausgedrckt und von einer "drohenden Apokalypse" geschrieben: Ist es wirklich schon so weit?  
Hsle: Zunchst einmal muss ich sagen, dass ich Philosoph bin. Das heit, ich kann nicht die empirische Arbeit meinetwegen der Biologen bernehmen. Ich kann nur referieren, was ich gelesen habe. Ich wei, dass es diesbezglich unterschiedliche Auffassungen gibt. Aber ich denke mit Hans Jonas, dass es gute Grnde gibt, der negativen Prognose den Vorrang zu geben. Die negative Prognose ist schwerer zu erklren als die positive Prognose, die natrlich im Interesse des Status quo ist. Es gibt aber doch einzelne Fakten, es gibt Fakten, die darauf hinweisen, dass wir momentan z. B. eine Klimanderung haben. Diese Klimanderung mag nicht nur anthropogen sein. Es mgen auch bestimmte, von Menschen nicht verursachte Faktoren dazu beitragen. Aber es ist ziemlich offenkundig, dass langfristig z. B. durch unsere CO2-Emissionen das Klima nachhaltig verndert wird. Dies fhrt dazu, dass etwa die Eiskappen schmelzen, dass der Meeresspiegel ansteigt, dass Inselstaaten vernichtet werden, dass die Ksten berflutet werden usw. Das sind alles schreckliche Dinge und die Evidenz, dass wir uns in diese Richtung bewegen, scheint mir doch relativ gro zu sein. Ebenso besteht kein Zweifel daran, dass wir eine Verdnnung der Ozonschicht hatten. Sie ist, da wir Gott sei Dank durch das Montrealer Protokoll die FCKW-Produktion einschrnken konnten, zurckgegangen, aber sie ist weiterhin ein Problem, das sich darber hinaus auch mit dem Treibhausproblem verschrnkt. Ein dritter Faktor, der uns allen Sorgen macht, ist das Schwinden von Biodiversitt: Es ist umstritten, wie viele Arten tglich aussterben, aber es besteht berhaupt kein Zweifel daran, dass tglich viele Arten aussterben. Einige sagen, dass das tglich zehn Arten seien, andere sprechen von 50 Arten tglich. Ich kann nicht beurteilen, welche Zahl die Richtige ist, aber dass jeden Tag mehrere Arten aussterben, die das Resultat einer Jahrmillionen whrenden Evolution sind, ist zutiefst beunruhigend. Dies ist auch dann beunruhigend, wenn diese Arten fr den Menschen nicht unmittelbar ntzlich sind, weil mit ihnen Formen der Schnheit verloren gehen, an denen dann kommende Generationen keinen Genuss mehr haben knnen. Auerdem vertrete ich die Auffassung, dass diese Formen einen intrinsischen Wert haben ganz unabhngig von dem mglichen Genuss durch Menschen. Ebenso ist auerordentlich bedrohlich das berfischen der Meeres: Mehrere Fischarten sind ja schon zum Aussterben gebracht worden aufgrund des berfischens. Die weit gehende Erosion, die es gibt, ist ebenfalls beunruhigend, ebenso wie natrlich die Zunahme der Weltbevlkerung. Denn unser Druck auf die Natur ist eine Funktion teils unserer Bedrfnisse, teils der Zahl der Menschen, die es gibt. Wir mssen also beides tun: Wir mssen versuchen, unsere Bedrfnisse zurckzufahren, und wir mssen versuchen, das Bevlkerungswachstum zurckzufahren, um den Planeten zu retten.  
Lehner: Wir knnen wir das schaffen? Welche Hilfestellungen kann hier die Philosophie leisten? Mit Kant und Hegel gegen die Klimakatastrophe?  
Hsle: Nein, das sicher nicht. Es ist klar, dass die empirischen Analysen darber, welche Bedingungen dazu gefhrt haben, dass wir z. B. eine Klimavernderung haben, was wir tun mssen, um deren Zunahme zu verhindern, nicht aus der Philosophie kommen. Das ist eine Frage der Naturwissenschaft, genauer gesagt, der Klimaforscher. Die Philosophie kann uns allerdings motivieren einzusehen, warum wir eine Pflicht haben, die nicht von unserem Eigeninteresse abhngt, in dieser Richtung zu wirken. Die bleibende Einsicht von Kant ist, dass Ethik nicht auf das rationale Eigeninteresse zurckzufhren ist. Diese zentrale Einsicht von Kant gilt natrlich besonders mit Bezug auf die intergenerationelle Gerechtigkeit. Man kann sich ja die Gerechtigkeit meinetwegen zwischen den Klassen so vorstellen, dass die einzelnen Klassen ihr Interesse brutal verfolgen und dass dann eine Gleichgewichtssituation entsteht, die dazu fhrt, dass, obwohl beide nur an ihr Eigeninteresse gedacht haben, etwas herauskommt, was mehr oder weniger der Idee der Gerechtigkeit entspricht. Im Falle der intergenerationellen Gerechtigkeit funktioniert dieses Modell jedoch nicht. Denn die Nachwelt kann sich nicht rchen fr das, was wir ihr antun. Umgekehrt knnen wir aber auch immer sagen: Was tut denn die Nachwelt fr mich? Das heit, wenn wir so etwas wie intergenerationelle Gerechtigkeit begrnden wollen, brauchen wir ein Prinzip der Ethik, das nicht auf ein Gleichgewicht des rationalen Eigennutzes zurckzufhren ist. Ich meine daher in der Tat, dass die klassische deutsche Philosophie von Kant an Bedeutendstes geleistet hat, um dieses Prinzip zu verstehen und zu artikulieren. Aber die konkreten empirischen Bedingungen herauszufinden, wie wir die Klimakatastrophe verhindern knnen, ist natrlich nicht Aufgabe des Philosophen, auch dann nicht, wenn der Philosoph gut beraten ist, Bcher solcher Art zu lesen.  
Lehner: Sie selbst bezeichnen sich ja auch als moralischen Realisten. Was meint das in diesem Zusammenhang?
Hsle: Es meint in diesem Zusammenhang, dass Werte, moralische Pflichten, real sind. Das heit, sie sind nicht einfach menschliche Konstrukte. Die Tatsache, dass ich eine Pflicht habe, meinetwegen intergenerationelle Gerechtigkeit walten zu lassen, hngt nicht von meinen beliebigen Voraussetzungen ab. Werte sind etwas, was an sich existiert. Werte sind etwas, das, wenn Sie so wollen, in einem gttlichen Geist vorgeprgt ist und an dem wir uns zu orientieren haben. Und Werte sind nicht das, was wir selbst nach Belieben schaffen und machen. Denn wenn sie unsere Schpfungen wren, knnten wir sie ja nach Belieben verndern. Das heit, wir knnten uns aus unseren unbedingten Verpflichtungen auch wieder lsen.  
Lehner: Sie haben sich als Wissenschaftler oft eingemischt und sind damit das eine oder andere Mal auch angeeckt. Sie werden als "Enfant terrible der Philosophie" bezeichnet und als Querdenker. 훣gert Sie das? Oder ehrt Sie das?  
Hsle: Ich glaube, es ehrt mich eher. Es rgert mich jedenfalls sehr selten, denn es ist ja so: Wenn man etwas sagt, von dem man glaubt, dass es richtig ist und dass es gleichzeitig nicht ganz dem Zeitgeist entspricht, dann muss man einfach damit rechnen anzuecken. Wer Angst davor hat anzuecken, wird sicher nichts Originelles tun. Damit will ich nicht sagen, dass man schon originell ist, wenn man aneckt. Aber wenn man eine panische Angst vor dem Anecken hat, dann kann man sicher sein, dass man es in der Philosophie ber Gemeinpltze nicht hinausbringen wird.  
Lehner: Kurz zusammengefasst: Welche neuen ethischen Mastbe brauchen wir?  
Hsle: Ich glaube nicht, dass wir im Prinzip neue ethische Mastbe brauchen. Denn der Grundgedanke der Kantischen Ethik, dass unsere Handlungsweisen universalisierbar sein mssen, ist ja heute noch genauso gltig. Das heit, unsere Handlungsweisen mssen so sein, dass diese dann, wenn sie jeder Mensch hnlich befolgen wrde, nicht zu entsetzlichen Konsequenzen fhren wrden. Neu ist aber die Tatsache, dass wir aufgrund der modernen Technik Mglichkeiten haben, in Raum und Zeit zu wirken, wie das einer traditionellen Gesellschaft nicht mglich waren. Hans Jonas hat das ja sehr eindrucksvoll herausgearbeitet. Es geht also nur um die Herausarbeitung neuer Anwendungsflle eines sehr alten Prinzips. Es ist nicht so, dass die Moralphilosophie im 20. Jahrhundert groartige Fortschritte gemacht htte. Sie hat allerdings mit einer groartig vernderten Welt zu rechnen und in dieser Situation kommt es nun in der Tat darauf an, aus alten Prinzipien neue konkrete Normen zu finden. Es geht z. B. darum, Normen zu finden, die uns etwa sagen, wir brauchen einen Verkehr, der die Umwelt nicht mehr mit so viel CO2-Emissionen belastet, wie das bisher der Fall war. Da gibt es nun verschiedene Lsungen. Die eine Mglichkeit ist z. B., fr unsere Autos einen Wasserstoffantrieb zu entwickeln. Das ist eine rein technische Mglichkeit. Die andere Mglichkeit ist, mit weniger Mobilitt sinnvoll zu leben. Auch das ist eine Lebensentscheidung, die einen intrinsischen Wert haben mag, die also unabhngig von den Konsequenzen dazu fhren kann, dass Menschen vielleicht glcklicher werden und harmonischer miteinander umgehen knnen.  
Lehner: Vielen Dank, dass Sie bei uns waren. Verehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, das war das Alpha-Forum, heute mit dem Philosophen Vittorio Hsle.  





http://www.br-online.de/alpha/forum/vor0303/20030326_i.shtml





Backward Forward Post Reply List