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한국신학논문은행에 대하여

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Die Schmalkaldischen Artikel (1537)
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Die Schmalkaldischen Artikel (1537)
Deutscher Text nach:
Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche
(1930), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,
S. 405-468
2
Artikel christlicher Lehre, die auf das Konzil zu Mantua oder
wo es sonst zusammegetreten wäre, hätten übergeben werden
sollen, um anzuzeigen, was wir annehmen und nachgeben
können oder nicht etc.
Durch Doktor Martin Luther geschrieben. Anno 1537
I. Das erste Teil ist von den hohen Artikeln der göttlichen
Majestät, nämlich:
1. Daß Vater, Sohn und Heiliger Geist in einem göttlichen Wesen und Natur
drei unterschiedliche Personen ein einiger Gott ist, der Himmel und Erden
geschaffen hat etc.
2. Daß der Vater von niemand, der Sohn vom Vater geboren, der Heilige
Geist vom Vater und Sohn ausgehend.
3. Daß nicht der Vater noch der Heilige Geist, sondern der Sohn Mensch
geworden sei.
4. Daß der Sohn also Mensch geworden sei, daß er vom Heiligen Geist ohne
männliches Zutun empfangen und von der reinen, heiligen Jungfrau Maria
geboren sei, danach gelitten, gestorben, begraben, zur Hölle gefahren, auferstanden
von den Toten, aufgefahren in den Himmel, sitzend zur Rechten
Gottes, künftig, zu richten die Lebendigen und die Toten etc., wie der Apostel,
ferner das Athanasianische Symbol und der allgemeine Kinderkatechismus
lehrt.
Diese Artikel sind in keinem Zank noch Streit, weil wir zu beiden Seiten
dieselben bekennen. Darum ist es nicht vonnöten, jetzt weiter davon zu
handeln.
II. Der andere Teil ist von den Artikeln, die das Amt und
Werk Jesu Christi oder unsere Erlösung betreffen.
Hier ist der erste und Hauptartikel:
1. Daß Jesus Christus, unser Gott und Herr, »um unserer Sünden willen gestorben
und um unserer Gerechtigkeit willen auferstanden« sei (Röm 4, 25),
und er allein das Lamm Gottes ist, das der Welt Sünde tragt« (Joh 1, 29),
und »Gott unser aller Sünde auf ihn gelegt hat« (Jes 53, 6), ferner: »Sie sind
allzumal Sünder und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch
die Erlösung Jesu Christi in seinem Blut« etc. (Röm 3, 23-25).
Dieweil nun solches geglaubt werden muß und sonst mit keinem Werk, Gesetz
noch Verdienst erlangt oder gefaßt werden kann, so ist es klar und gewiß,
daß allein solcher Glaube uns gerecht mache, wie Röm 3,28 S. Paulus
spricht: »Wir halten, daß der Mensch gerecht werde ohne Werke des Geset3
zes durch den Glauben«, ferner: »Auf daß er alleine gerecht sei und gerecht
mache den, der da ist des Glaubens an Jesus« (Röm 3,26).
Von diesem Artikel kann man nicht weichen oder nachgeben, es falle Himmel
und Erde oder was nicht bleiben will; denn es »ist kein anderer Name
den Menschen gegeben, dadurch wir können selig werden«, spricht S.
Petrus (Apg 4,12). »Und durch seine Wunden sind wir geheilt« (Jes 53,5).
Und auf diesem Artikel steht alles, was wir gegen den Papst, Teufel und
Welt lehren und leben. Darum müssen wir dessen gar gewiß sein und nicht
zweifeln. Sonst ist's alles verloren und behält Papst und Teufel und alles
gegen uns Sieg und Recht.
2. Der andere Artikel:
Daß die Messe im Papsttum der größte und schrecklichste Greuel sein muß,
der stracks und gewaltig gegen diesen Hauptartikel strebt und doch über und
vor allen anderen päpstlichen Abgöttereien der höchste und schönste gewesen
ist; denn es ist gehalten, daß solch Opfer oder Werk der Messe (auch
durch einen bösen Buben getan) den Menschen helfe von Sünden, beides,
hier im Leben und dort im Fegefeuer, welches doch allein das Lamm Gottes
tun soll und muß, wie droben gesagt etc. Von diesem Artikel ist auch nicht
zu weichen oder nachzulassen; denn der erste Artikel leidet’s nicht.
Und wo etwa vernünftige Papisten wären, möchte man dermaßen und
freundlicherweise mit ihnen reden, nämlich: Warum sie doch so hart an der
Messe hielten?
1. Ist es doch ein lauter Menschenfündlein, von Gott nicht geboten. Und alle
Menschenfündlein mögen wir fallen lassen, wie Christus spricht Mt 15,9:
»Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten«.
2. Zum andern ist es ein unnötiges Ding, das man ohne Sünde und Gefahr
wohl lassen kann.
3. Zum dritten kann man das Sakrament viel besser und seligerweise nach
Christi Einsetzung kriegen. Was ist's denn, daß man um einer unnötigen,
erdichteten Sache willen, da man's sonst wohl und seliger haben kann, die
Welt in Jammer und Not zwingen wollte?
Man lasse den Leuten öffentlich predigen, wie die Messe als ein Menschentand
ohne Sünde unterbleiben möge und niemand verdammt werde,
der sie nicht achtet, sondern wohl ohne Messe wohl auf bessere Weise selig
werden möge. Was gilt's, ob die Messe alsdann nicht von selbst fallen wird,
nicht allein bei dem tollen Pöbel, sondern auch bei allen frommen, christlichen,
vernünftigen, gottesfürchtigen Herzen? Viel mehr, wo sie hören würden,
daß es ein gefährliches Ding ist, ohne Gottes Willen erdichtet und erfunden.
4. Zum vierten, weil solche unzähligen, unaussprechlichen Mißbräuche in
aller Welt mit Kaufen und Verkaufen der Messe entstanden [sind], sollte
man sie billig fahrenlassen, allein um solchen Mißbräuchen zu wehren,
wenngleich sie an sich selber etwas Nützliches und Gutes hätten; wie viel
mehr soll man sie fahrenlassen, um solche Mißbräuche ewig zu verhüten,
weil sie doch gar unnötig, unnütz und gefährlich sind, und man alles nötiger,
nützlicher und gewisser ohne die Messe haben kann.
4
5. Zum fünften, da nun aber die Messe nichts anderes ist noch sein kann
(wie der [Mess-]Kanon und alle Bücher sagen) als ein Werk der Menschen,
(auch böser Buben), mit dem einer sich selbst und andere mit sich gegen
Gott versöhnen, Vergebung der Sünden und Gnade erwerben und verdienen
kann (denn so wird sie gehalten, wenn sie aufs beste gehalten wird; was
sollte sie sonst?), so soll und muß man sie verdammen und verwerfen. Denn
das ist stracks gegen den Hauptartikel, der da sagt, daß nicht ein Messeknecht
mit seinem Werk, sondern das Lamm Gottes und der Sohn Gottes
unsere Sünde trägt (Joh 1,29).
Und ob einer zum guten Schein vorgeben wollte, er wollte zur Andacht sich
selbst kommunizieren, das ist nicht ernst; denn wenn er mit Ernst kommunizieren
will, so hat er’s gewiß und aufs beste im Sakrament nach der Einsetzung
Christi. Aber sich selbst kommunizieren ist ungewiß und unnötig, und
er weiß nicht, was er macht, weil er ohne Gottes Wort falschem Menschendünkel
und -fündlein folgt. So ist’s auch nicht recht (wenn alles sonst recht
wäre), daß einer das Sakrament der Kirche nach seiner eigenen Andacht
gebrauchen und nach seinem Gefallen ohne Gottes Wort außerhalb der Kirchengemeinschaft
damit spielen will.
Dieser Artikel von der Messe wird’s ganz und gar sein im Konzil; denn wo
es möglich wäre, daß sie uns alle anderen Artikel nachgeben, so können sie
doch diesen Artikel nicht nachgeben, wie der Campegius zu Augsburg gesagt
hat, er wollte sich eher in Stücke zerreißen lassen, ehe er die Messe
fahren lassen wollte. So werde ich mich auch mit Gottes Hilfe eher zu
Asche machen lassen, bevor ich einen Messeknecht mit seinem Werk meinem
Herrn und Heiland Jesus Christus gleich oder höher sein lasse. Also
sind und bleiben wir ewig geschieden und gegeneinander. Sie fühlen’s
wohl: Wenn die Messe fällt, so liegt das Papsttum. Ehe sie das geschehen
lassen, töten sie uns alle.
Über das alles hat dieser Drachenschwanz, die Messe, viel Ungeziefer und
Geschmeiß mancherlei Abgötterei gezeugt:
Erstens das Fegefeuer. Da hat man mit Seelenmessen, Vigilien, dem siebten,
dem dreißigsten und jährlichem Begängnis, zuletzt mit der Gemeindewoche
und dem Allerseelentag und Seelenbad ins Fegefeuer gehandelt, daß die
Messe schier allein für die Toten gebraucht ist, so doch Christus das Sakrament
allein für die Lebendigen gestiftet hat. Darum ist das Fegefeuer mit all
seinem Gepränge, Gottesdienst und Gewerbe für lauter Teufelsgespinst zu
achten. Denn es ist auch gegen den Hauptartikel, daß allein Christus und
nicht Menschenwerk den Seelen helfen soll, während uns sonst nichts von
den Toten befohlen oder geboten ist.
Die Papisten führen hier Augustin und etliche Väter an, die vom Fegefeuer
geschrieben haben sollen, und meinen, wir sähen nicht, wozu und wohin sie
solche Sprüche führen. Sankt Augustin schreibt nicht, daß ein Fegefeuer sei,
hat auch keine Schrift, die ihn dazu zwänge, sondern läßt es im Zweifel
hangen, ob eins sei, und sagt, seine Mutter habe begehrt, daß man ihrer
sollte gedenken bei dem Altar oder Sakrament. Nun solches alles ist ja
nichts als Menschenandacht einzelner Personen gewesen, die keinen Artikel
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des Glaubens (welches allein Gott zugehört) stiften. Aber unsere Papisten
führen solch Menschenwort dazu an, daß man ihrem schändlichen, lästerlichen,
verfluchten Jahrmarkt von Seelenmessen, ins Fegefeuer zu opfern etc.,
glauben solle. Solches werden sie noch lange nicht aus Augustin beweisen.
Wenn sie nun den fegefeuerischen Messenjahrmarkt abgetan haben, wovon
S. Augustin nie geträumt hat, alsdann wollen wir mit ihnen reden, ob S. Augustins
Wort ohne Schrift zu dulden sein möge und der Toten bei dem Sakrament
gedacht werden solle. Es gilt nicht, daß man aus der heiligen Väter
Werk oder Wort Artikel des Glaubens macht. Sonst müßte auch ein Artikel
des Glaubens werden, was sie für Speise, Kleider, Häuser etc. gehabt hätten,
wie man mit dem Heiligtum (scil.: Reliquien) getan hat. Es heißt, Gottes
Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.
Zum anderen ist daraus gefolgt, daß die bösen Geister die Büberei angerichtet
haben, daß sie als Menschenseelen erschienen sind, Messe, Vigilien,
Wallfahrten und andere Almosen geheischt mit unsäglichen Lügen und
Schalkheit, welches wir alle haben für Artikel des Glaubens halten und danach
leben müssen, und der Papst solches bestätigt, wie auch die Messe und
anderen Greuel alle. Und hier ist kein Weichen oder Nachlassen.
Zum dritten: die Wallfahrten. Da hat man auch Messen, Vergebung der
Sünden und Gottes Gnade gesucht; denn die Messe hat’s alles regiert. Nun
ist das ja gewiß, daß solche Wallfahrten uns nicht geboten, auch nicht vonnöten
sind, weil wir’s wohl besser haben mögen und ohne alle Sünde und
Gefahr lassen mögen. Warum läßt man denn daheim den eigenen Pfarrer,
Gottes Wort, Weib und Kind etc., die nötig und geboten sind, und läuft den
unnötigen, ungewissen, schädlichen Teufelsirrwischen nach, nur weil der
Teufel den Papst geritten hat, solches zu preisen und bestätigen, damit die
Leute ja häufig von Christus auf ihr eigenes Werk fielen und abgöttisch
würden, welches das Ärgste daran ist? Abgesehen davon, daß es unnötig,
ungeboten, ungeraten und ungewiß, dazu ein schädliches Ding ist. Darum
ist hier auch kein Weichen oder Nachgeben etc.
Zum vierten: Die Bruderschaften, da sich die Klöster, Stifte, auch Vikaristen
verschrieben und mitgeteilt haben (recht und redlichen Kaufs) alle
Messen, gute Werke etc. beide, für Lebendige und Tote, welches nicht allein
Menschentand, ganz unnötig und ungeboten, sondern auch gegen den
ersten Artikel der Erlösung ist, darum keineswegs zu leiden.
Zum fünften: Das Heiligtum (scil.: Reliquien), worin so manche öffentliche
Lüge und Narrenwerk erfunden, dazu auch weder geboten noch geraten ist,
ist ganz unnötig und ein unnützes Ding. Aber das Ärgste ist, daß es auch
Ablaß und Vergebung der Sünden hat wirken müssen als ein gutes Werk
und Gottesdienst wie die Messe etc.
Zum sechsten: Hierher gehört der liebe Ablaß, der beiden, den Lebendigen
und Toten, gegeben ist (doch um Geld) und worin der Papst die Verdienste
Christi samt den übrigen (überschüssigen) Verdiensten aller Heiligen und
der ganzen Kirche verkauft etc.; welches alles nicht zu leiden ist, und auch
nicht allein ohne Gottes Wort, ohne Not, ungeboten, sondern auch dem ersten
Artikel zuwider ist. Denn Christi Verdienst wird nicht durch unser
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Werk oder Pfennig, sondern durch den Glauben aus Gnaden erlangt, ohne
alles Geld und Verdienst, nicht durch des Papstes Gewalt, sondern durch die
Predigt oder Gottes vorgetragenes Wort.
Vom Heiligen-Anrufen
Die Anrufung der Heiligen ist auch der antichristlichen Mißbräuche einer
und streitet gegen den ersten Hauptartikel und tilgt die Erkenntnis Christi.
Sie ist auch nicht geboten noch geraten, hat auch kein Exempel der Schrift.
Alle Dinge sind uns in Christus tausendmal besser gegeben, wenngleich
jene ein köstliches Gut wäre, wie es doch nicht ist.
Und wiewohl die Engel im Himmel für uns bitten (wie Christus selber auch
tut) also auch die Heiligen auf Erden oder vielleicht auch im Himmel, so
folgt daraus nicht, daß wir die Engel und Heiligen anrufen, anbeten, ihnen
fasten, feiern, Messe halten, opfern, Kirchen, Altäre, Gottesdienst stiften
und auf andere Weise mehr dienen und sie für Nothelfer halten und allerlei
Hilfe unter sie teilen und jedem eine besondere zueignen sollten, wie die
Papisten lehren und tun. Denn das ist Abgötterei, und solche Ehre gehört
Gott allein zu. Denn du kannst als ein Christ und Heiliger auf Erden für
mich bitten nicht in einer, sondern in allen Nöten. Aber darum soll ich dich
nicht anbeten, anrufen, feiern, fasten, opfern, Messe halten dir zu Ehren und
auf dich meinen Glauben zur Seligkeit setzen. Ich kann dich sonst wohl ehren,
lieben und danken in Christo. Wenn nun solche abgöttische Ehre von
den Engeln und toten Heiligen weggetan wird, so wird die andere Ehre ohne
Schaden sein, ja bald vergessen werden. Denn wo der Nutzen und die Hilfe,
beide, leiblich und geistlich, nicht mehr zu erhoffen sind, werden sie die
Heiligen wohl in Frieden lassen, beide, im Grab und im Himmel. Denn umsonst
oder aus Liebe wird ihrer niemand viel gedenken, achten noch ehren.
Und in Summa : Was die Messe ist, was daraus gekommen ist, was daran
hängt, das können wir nicht leiden und müssen's verdammen, damit wir das
heilige Sakrament rein und gewiß, nach der Einsetzung Christi durch den
Glauben gebraucht und empfangen, behalten mögen.
3. Der dritte Artikel: Von Stiften und Klöstern.
Daß die Stifte und Klöster, vorzeiten in guter Meinung gestiftet, um gelehrte
Leute und züchtige Weibsbilder zu erziehen, wiederum zu solchem Gebrauch
geordnet werden sollen, damit man Pfarrherren, Prediger und andere
Kirchendiener haben möge, auch sonst nötige Personen zu weltlichem Regiment
in Städten und Ländern, auch wohlgezogene Jungfrauen zu Hausmüttern
und Haushälterinnen etc.
Wo sie dazu nicht dienen wollen, ist’s besser, man lasse sie wüst liegen oder
reiße sie ein, als daß sie mit ihrem lästerlichen Gottesdienst, durch Menschen
erdichtet, als etwas Besseres denn der gemeine Christenstand und die
von Gott gestifteten Ämter und Orden (Berufe) gehalten werden sollten;
denn das ist alles auch gegen den ersten Hauptartikel von der Erlösung Jesu
Christi. Zudem, daß sie auch, wie alle anderen Menschenfündlein, nicht
geboten, nicht vonnöten, nicht nützlich sind, dazu gefährliche und vergebli7
che Mühe machen, wie die Propheten solche Gottesdienste (hebr.) »Aven«,
das ist »Mühe«, heißen.
4. Der vierte Artikel: Vom Papsttum
Daß der Papst nicht »jure divino« oder aus Gottes Wort das Haupt der ganzen
Christenheit sei, denn das gehört einem allein zu, der heißt Jesus Christus,
sondern allein Bischof oder Pfarrherr der Kirche zu Rom und derjenigen,
die sich freiwillig oder durch menschliche Kreatur, das ist weltliche
Obrigkeit, zu ihm begeben haben, um nicht unter ihm als einem Herrn, sondern
neben ihm als einem Bruder und Gesellen, Christen zu sein, wie solches
auch die alten Konzilien und die Zeit S. Cyprians beweisen. Jetzt aber
wagt kein Bischof den Papst »Bruder« zu heißen wie zu jener Zeit, sondern
muß ihn seinen »allergnädigsten Herrn« heißen, wenn’s auch ein König
oder Kaiser wäre. Das wollen, sollen und können wir nicht auf unser Gewissen
nehmen. Wer es aber tun will, der tue es ohne uns.
Hieraus folgt, daß alles dasjenige, was der Papst aus solch falscher, frevelhafter,
lästerlicher, angemaßter Gewalt getan und vorgenommen hat, eitel
teuflische Geschichte und Geschäft gewesen ist und noch ist, außer was das
leibliche Regiment anbelangt, durch welches Gott auch wohl durch einen
Tyrannen und Buben einem Volk viel Gutes geschehen läßt, zur Verderbung
der ganzen heiligen christlichen Kirche, soviel an ihm gelegen, und zu zerstören
den ersten Hauptartikel von der Erlösung Jesu Christi.
Denn da stehen alle seine Bullen und Bücher, worin er brüllt wie ein Löwe,
wie der Engel in Apokalypse 10,3 zeigt, daß kein Christ selig werden könne,
er sei denn ihm gehorsam und untertan in allen Dingen, was er will, was
er sagt, was er tut. Welches alles nichts anderes ist, als so viel gesagt:
»Wenn du gleich an Christus glaubst und alles an ihm hast, was zur Seligkeit
nötig ist, so ist es doch nichts und alles umsonst, wenn du mich nicht
für deinen Gott hältst, mir untertan und gehorsam bist«. Wo es doch offenbar
ist, daß die heilige Kirche ohne den Papst gewesen ist zum wenigsten
über 500 Jahre, und bis auf diesen Tag die griechische und vieler anderer
Sprachen Kirchen noch nie unter dem Papst gewesen und noch jetzt nicht
sind. So ist es, wie oft gesagt, ein Menschengedicht, das nicht geboten ist,
ohne Not und vergeblich. Denn die heilige christliche Kirche kann ohne ein
solches Haupt wohl bleiben und wäre es wohl besser geblieben, wenn ein
solches Haupt durch den Teufel nicht aufgeworfen wäre, und es ist auch das
Papsttum unnütz in der Kirche, denn es übt kein christliches Amt aus, und
die Kirche muß also bleiben und bestehen ohne den Papst.
Und ich setze, daß der Papst sich des begeben wollte, daß er nicht »jure divino
« oder aus Gottes Gebot der Oberste wäre; sondern damit die Einigkeit
der Christenheit gegen die Rotten und Ketzerei desto besser erhalten würde,
müßte man ein Haupt haben, woran sich alle anderen hielten. Solches Haupt
würde nun durch Menschen erwählt, und es stünde in menschlicher Wahl
und Gewalt, dasselbe Haupt zu ändern und abzusetzen. Wie zu Konstanz
das Konzil (1414-18) fast diese Weise hielt mit den Päpsten, setzte deren
drei ab und wählte den vierten. Ich setze nun, sage ich, daß der Papst und
der Stuhl zu Rom sich dessen begeben und annehmen wollte, welches doch
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unmöglich ist; denn er müßte sein ganzes Regiment und Stand umkehren
und zerstören lassen mit allen seinen Rechten und Büchern. Summa, er
kann’s nicht tun.
Dennoch wäre damit der Christenheit nichts geholfen, und es würden viel
mehr Rotten werden als zuvor. Denn weil man solchem Haupt nicht aus
Gottes Befehl untertan sein müßte, sondern aus menschlichem guten Willen,
würde es gar leicht und bald verachtet, zuletzt kein Glied behalten, müßte
auch nicht immerdar zu Rom oder einem anderen Ort sein, sondern wo und
in welcher Kirche Gott einen solchen Mann gegeben hätte, der tüchtig dazu
wäre. O das wollte ein weitläufiges, wüstes Wesen werden.
Darum kann die Kirche nimmermehr besser regiert und erhalten werden, als
daß wir alle unter einem Haupt Christus leben und die Bischöfe alle gleich
nach dem Amt, ob sie wohl ungleich nach den Gaben, fleißig zusammenhalten
in einträchtiger Lehre, Glauben, Sakramenten, Gebeten und Werken
der Liebe etc. Wie S. Hieronymus schreibt, daß die Priester zu Alexandria
sämtlich und insgemein die Kirche regierten, wie die Apostel auch getan
haben und hernach alle Bischöfe in der ganzen Christenheit, bis der Papst
seinen Kopf über alle erhob.
Dies Stück zeigt gewaltig, daß er der rechte Endchrist oder Widerchrist sei,
der sich über und gegen Christus gesetzt und erhöht hat, weil er die Christen
nicht selig sein lassen will ohne seine Gewalt, welche doch nichts ist, von
Gott nicht geordnet noch geboten. Das heißt eigentlich, »über Gott und gegen
Gott sich setzen«, wie S. Paulus sagt (2Thess 2,4). Solches tut dennoch
der Türke noch Tartar nicht, wie große Feinde der Christen sie auch sind,
sondern lassen glauben an Christus, wer da will, und nehmen leiblichen
Zins und Gehorsam von den Christen.
Aber der Papst will nicht glauben lassen, sondern spricht, man solle ihm
gehorsam sein, so werde man selig. Das wollen wir nicht tun, oder darüber
sterben in Gottes Namen. Das kommt alles daher, daß er jure divino der
Oberste hat heißen sollen über die christliche Kirche. Darum hat er sich
Christus gleich und über Christus setzen müssen, sich als das Haupt, hernach
als einen Herrn der Kirche, zuletzt auch der ganzen Welt und schlicht
als einen irdischen Gott rühmen lassen, bis er auch den Engeln im Himmelreich
zu gebieten sich unterstand.
Und wenn man des Papstes Lehre von der Heiligen Schrift unterscheidet
oder sie dagegen stellt und hält, so findet sich’s, daß des Papstes Lehre, wo
sie am allerbesten ist, aus dem kaiserlichen, heidnischen Recht genommen
ist und weltliche Händel und Gerichte lehrt, wie seine Dekretalen bezeugen.
Danach lehrt sie Zeremonien von Kirchen, Kleidern, Speisen, Personen- und
des Kinderspiels, Larven- und Narrenwerks ohne Maß; aber in diesem allen
gar nichts von Christus, Glauben und Gottes Geboten.
Zuletzt ist es nichts als eitel Teufel, da er seine Lügen von Messen, Fegefeuer,
Klosterei, eigenen Werken und Gottesdienst, welches denn das rechte
Papsttum ist, treibt über und gegen Gott, verdammt, tötet und plagt alle
Christen, die solche seine Greuel nicht über alles heben und ehren. Darum,
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so wenig wir den Teufel selbst als einen Herrn oder Gott anbeten können, so
wenig können wir auch seinen Apostel, den Papst oder Endchrist, in seinem
Regiment als Haupt oder Herrn leiden. Denn Lüge und Mord, um Leib und
Seele ewig zu verderben, das ist sein päpstliches Regiment eigentlich, wie
ich dasselbe in vielen Büchern bewiesen habe.
An diesen vier Artikeln werden sie genug zu verdammen haben im Konzil;
denn sie nicht das geringste Gliedlein von einem der Artikel uns lassen können
noch wollen. Des müssen wir gewiß sein und uns verlassen auf die
Hoffnung, Christus, unser Herr, habe seinen Widersacher angegriffen und
werde nachdrücken, beide, mit seinem Geist und Zukunft, Amen.
Denn im Konzil werden wir nicht vor dem Kaiser oder weltlicher Obrigkeit,
wie zu Augsburg, der ein ganz gnädiges Ausschreiben tat und die Sachen in
Güte verhören ließ, sondern vor dem Papst und dem Teufel selbst werden
wir da stehen, der nichts gedenkt zu hören, sondern schlechtweg zu verdammen,
zu morden und zur Abgötterei zu zwingen. Darum müssen wir
hier nicht seine Füße küssen oder sagen: »Ihr seid mein gnädiger Herr«,
sondern wie in Sacharja (2, 3) der Engel zum Teufel sprach: »Strafe dich
Gott, Satan«.
III. Das dritte Teil der Artikel
Folgende Stücke oder Artikel mögen wir mit Gelehrten, Vernünftigen oder
unter uns selbst verhandeln, denn der Papst und sein Reich achten derselben
nicht viel. Denn conscientia (Gewissen) ist bei ihnen nichts, sondern Geld,
Ehre und Gewalt.
1. Von der Sünde
Hier müssen wir bekennen, wie S. Paulus Röm 5,12 sagt, daß die Sünde von
Adam, dem einzigen Menschen, hergekommen sei, durch dessen Ungehorsam
alle Menschen Sünder geworden sind und dem Tod und dem Teufel
unterworfen. Dies heißt die Erbsünde oder Hauptsünde.
Solcher Sünde Früchte sind danach die bösen Werke, die in den Zehn Geboten
verboten sind wie Unglaube, falscher Glaube, Abgötterei, ohne Gottesfurcht
sein, Vermessenheit, Verzweifeln, Blindheit und Summa: Gott
nicht kennen oder achten; danach lügen, bei Gottes Namen schwören, nicht
beten, nicht anrufen, Gottes Wort nicht achten, den Eltern ungehorsam sein,
morden, Unkeuschheit, stehlen, betrügen etc.
Solche Erbsünde ist eine so ganz tiefe, böse Verderbnis der Natur, daß keine
Vernunft sie kennt, sondern sie muß aus der Offenbarung der Schrift geglaubt
werden, Ps 51 und Röm 5; Ex 33; Gen 3. Darum sind das eitel Irrtümer
und Blindheit gegen diesen Artikel, was die Schultheologen gelehrt
haben:
1. Nämlich, daß nach dem Erbfall Adams des Menschen natürlichen Kräfte
ganz und gar unverderbt geblieben sind. Und der Mensch habe von Natur
eine rechte Vernunft und guten Willen, wie die Philosophen solches lehren.
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2. Ferner, daß der Mensch einen freien Willen habe, Gutes zu tun und Böses
zu lassen und wiederum Gutes zu lassen und Böses zu tun.
3. Ferner, daß der Mensch aus natürlichen Kräften alle Gebote Gottes tun
und halten könne.
4. Ferner, er könne aus natürlichen Kräften Gott über alles lieben und seinen
Nächsten wie sich selbst.
5. Ferner, wenn ein Mensch tut, soviel an ihm ist, so gibt ihm Gott gewisslich
seine Gnade.
6. Ferner, wenn er zum Sakrament gehen will, ist nicht ein guter Vorsatz
nötig, Gutes zu tun, sondern es sei genug, daß er nicht einen bösen Vorsatz,
Sünde zu tun, habe, so gar gut ist die Natur und das Sakrament so kräftig.
7. Es sei nicht in der Schrift gegründet, daß zum guten Werk der Heilige
Geist mit seiner Gnade vonnöten sei.
Solche Stücke und noch viele dergleichen sind aus Unverstand und Unwissenheit,
beide, der Sünde und Christi, unseres Heilandes, gekommen, rechte
heidnische Lehre, die wir nicht leiden können. Denn wenn diese Lehre recht
sein sollte, so ist Christus vergeblich gestorben, weil kein Schaden noch
Sünde im Menschen ist, wofür er sterben mußte, oder er wäre allein für den
Leib, nicht auch für die Seele gestorben, weil die Seele gesund und allein
der Leib des Todes ist.
2. Vom Gesetz
Hier halten wir dafür, daß das Gesetz von Gott gegeben sei, erstens, um der
Sünde zu steuern mit Drohen und Schrecken der Strafe, und mit Verheißen
und Anbieten der Gnade und Wohltat. Aber solches alles ist der Bosheit
halber, die die Sünde im Menschen gewirkt hat, übel geraten; denn einesteils
sind davon ärger geworden, die dem Gesetz feind sind darum, daß es
verbietet, was sie gerne tun, und gebietet, was sie ungern tun. Deshalb, wo
sie es von wegen der Strafe können, tun sie nun mehr gegen das Gesetz als
zuvor. Das sind denn die rohen, bösen Leute, die Böses tun, wo sie Stätte
und Raum haben.
Die andern werden blind und vermessen, lassen sich dünken, sie halten und
können das Gesetz halten aus ihren Kräften, wie jetzt droben gesagt ist von
den Schultheologen. Daher kommen die Heuchler und falschen Heiligen.
Aber das vornehmste Amt und Kraft des Gesetzes ist, daß es die Erbsünde
mit Früchten und allem offenbare und dem Menschen zeige, wie gar tief und
grundlos seine Natur gefallen und verderbt ist, als dem das Gesetz sagen
muß, daß er keinen Gott habe noch achte oder bete fremde Götter an, welches
er zuvor und ohne das Gesetz nicht geglaubt hätte. Damit wird er erschreckt,
gedemütigt, verzagt, verzweifelt, wollte gern, daß ihm geholfen
würde, und weiß nicht, wo hinaus, fängt an, Gott feind zu werden und zu
murren etc. Das heißt denn Röm 4,15: »Das Gesetz erregt Zorn« und Röm
5,20: »Die Sünde wird größer durchs Gesetz«.
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3. Von der Buße
Solches Amt des Gesetzes behält das Neue Testament und treibt es auch,
wie Paulus Röm 1,18 tut und spricht: »Gottes Zorn wird vom Himmel offenbart
über alle Menschen«, ebenso Röm 3,19.20: »Alle Welt ist vor Gott
schuldig, und kein Mensch ist vor ihm gerecht«, und Christus Joh 16, 8:
»Der Heilige Geist wird die Welt strafen um die Sünde«.
Das ist nun die Donneraxt Gottes, womit er beide, die offenbaren Sünder
und die falschen Heiligen in einen Haufen schlägt und läßt keinen recht haben,
treibt sie allesamt in Schrecken und Verzagen. Das ist der Hammer,
wie Jeremia (23,29) spricht: »Mein Wort ist ein Hammer, der die Felsen
zerschmettert.« Dies ist nicht activa contritio, eine gemachte Reue, sondern
passiva contritio, das rechte Herzeleid, Leiden und Fühlen des Todes.
Und das heißt denn, die rechte Buße anfangen. Und der Mensch muß hier
solches Urteil hören: »Es ist nichts mit Euch allen, Ihr seid öffentliche Sünder
oder Heilige; Ihr müßt alle anders werden und anderes tun, als Ihr jetzt
seid und tut, Ihr seid wer und wie groß, weise, mächtig und heilig, wie Ihr
wollt; hier ist niemand fromm« etc.
Aber zu solchem Amt tut das Neue Testament flugs die tröstliche Verheißung
der Gnade durchs Evangelium, der man glauben soll. Wie Christus
spricht Mk 1,15: »Tut Buße und glaubt dem Evangelium«, das ist: »Werdet
und macht’s anders und glaubt meiner Verheißung.« Und vor ihm her wird
Johannes ein Prediger der Buße genannt, doch zur Vergebung der Sünden.
Das ist: Er sollte sie alle strafen und zu Sündern machen, auf daß sie wüßten,
was sie vor Gott wären und sich erkennten als verlorene Menschen und
also vor dem Herrn bereit würden, die Gnade zu empfangen und der Sünden
Vergebung von ihm zu erwarten und anzunehmen. Also sagt auch Christus
Lk 24,47 selbst: »Man muß in meinem Namen in aller Welt Buße und Vergebung
der Sünden predigen.«
Wo aber das Gesetz solches sein Amt allein treibt ohne Zutun des Evangeliums,
da ist der Tod und die Hölle, und muß der Mensch verzweifeln wie
Saul und Judas, wie S. Paulus sagt (Röm 7,10): »Das Gesetz tötet durch die
Sünde.« Wiederum gibt das Evangelium nicht auf einerlei Weise Trost und
Vergebung, sondern durch Wort, Sakrament und dergleichen, wie wir hören
werden; auf daß die Erlösung ja reichlich sei bei Gott, wie der Psalm 130
sagt, gegen das große Gefängnis der Sünde.
Aber jetzt müssen wir die falsche Buße der Sophisten gegen die rechte Buße
halten, damit sie beide desto besser verstanden werden.
Von der falschen Buße der Papisten
Unmöglich ist es gewesen, daß sie von der Buße recht lehren sollten, weil
sie die rechte Sünde nicht erkannten; denn, wie oben gesagt, sie verstehen
die Erbsünde nicht recht, sondern sagen, die natürlichen Kräfte des Menschen
seien ganz und unverderbt geblieben; die Vernunft könne recht lehren,
und der Wille könne recht danach tun, und daß Gott gewißlich seine
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Gnade gibt, wenn ein Mensch tut, soviel an ihm ist, nach seinem freien
Willen.
Hieraus mußte folgen, daß sie allein die wirklichen Sünden büßten wie böse
bewilligte Gedanken, denn böse Bewegung, Lust, Reizung war nicht Sünde,
böse Worte, böse Werke, die der freie Wille wohl hätte lassen können.
Und zu solcher Buße setzten sie drei Teile: Reue, Beichte, Genugtuung mit
solcher Vertröstung und Zusage: Wenn der Mensch recht bereute, beichtete,
genugtäte, so hätte er damit Vergebung verdient und die Sünde vor Gott
bezahlt; sie wiesen so die Leute in der Buße auf die Zuversicht eigener
Werke. Daher kam das Wort auf der Kanzel, wenn man die allgemeine
Beichte dem Volk vorsprach: »Friste mir, Herr Gott, mein Leben, bis ich
meine Sünde büße und mein Leben bessere.«
Hier war kein Christus und nichts vom Glauben gedacht (erwähnt), sondern
man hoffte, mit eigenen Werken die Sünde vor Gott zu überwinden und zu
tilgen. In der Meinung wurden wir auch Pfaffen und Mönche, daß wir uns
selbst gegen die Sünde legen wollten.
Mit der Reue war es also getan: Weil niemand alle Sünden bedenken konnte,
sonderlich das ganze Jahr begangen, flickten sie den Pelz also: Wenn die
verborgenen Sünden nachher ins Gedächtnis kämen, müßte man sie auch
bereuen und beichten etc. Indessen waren sie Gottes Gnade befohlen.
Zudem, weil auch niemand wußte, wie groß die Reue sein sollte, damit sie
ja genugsam wäre vor Gott, gaben sie solchen Trost. Wer nicht
»contritionem«, das ist Reue, haben konnte, der sollte »attritionem« haben,
welches ich eine halbe oder Anfang der Reue nennen mag, denn sie haben
selbst alles beides nicht verstanden, wissen auch noch nicht, was es bedeute,
so wenig wie ich. Solche »attritio« wurde dann als »contritio« gerechnet,
wenn man zur Beichte ging.
Und wenn sich’s begab, daß etwa einer sprach, er könnte nicht bereuen noch
Leid haben für seine Sünde, wie es geschehen sein mochte in der Hurenliebe
oder Rachgier etc., fragten sie, ob er denn nicht wünschte oder gern wollte,
daß er Reue haben möchte? Sprach er dann: Ja - denn wer wollte hier
»Nein« sagen außer dem Teufel selbst? -, so nahmen sie es für die Reue an
und vergaben ihm seine Sünde auf solches sein gutes Werk etc. Hier führten
sie S. Bernhard zum Exempel an etc.
Hier sieht man, wie die blinde Vernunft tappt in Gottes Sachen und Trost
sucht in eigenen Werken nach ihrem Dünkel und an Christus oder den
Glauben nicht denken kann. Wenn man’s nun bei Licht besieht, ist solche
Reue ein gemachter und erdichteter Gedanke aus eigenen Kräften ohne
Glauben, ohne Erkenntnis Christi, worin zuweilen der arme Sünder, wenn er
an die Lust oder Rache gedacht, lieber gelacht als geweint hätte, ausgenommen
die, die entweder mit dem Gesetz recht getroffen oder von dem
Teufel vergeblich mit traurigem Geist geplagt gewesen sind. Sonst ist solche
Reue gewiß lauter Heuchelei gewesen und hat der Sünde Lust nicht
getötet; denn sie mußten bereuen, hätten lieber mehr gesündigt, wenn es frei
gewesen wäre.
13
Mit der Beichte stand es also: Ein jeglicher mußte alle seine Sünden erzählen,
welches ein unmögliches Ding ist; das war eine große Marter. Welche
er aber vergessen hatte, die wurden ihm insofern vergeben, daß er sie noch
beichten mußte, wenn sie ihm einfallen würden.
Damit konnte er nimmer wissen, wann er rein genug gebeichtet hätte oder
wann das Beichten einmal ein Ende haben sollte, er wurde gleichwohl auf
sein Werk gewiesen und gesagt: Je reiner er beichtete und je mehr er sich
schämte und sich selbst also vor dem Priester schändete, je eher und besser
täte er genug für die Sünde; denn solche Demut erwürbe gewißlich Gnade
bei Gott.
Hier war auch kein Glaube noch Christus, und die Kraft der Absolution
wurde ihm nicht gesagt, sondern auf dem Sünde Aufzählen und Schämen
stand sein Trost. Es ist aber nicht zu erzählen, was für Marter, Büberei und
Abgötterei solches Beichten angerichtet hat.
Die Genugtuung ist noch das allerweitläufigste; denn kein Mensch konnte
wissen, wie viel er tun sollte für eine einzige Sünde, geschweige denn für
alle. Hier fanden sie nun einen Rat, nämlich daß sie wenig Genugtuung auferlegten,
die man wohl halten konnte, wie fünf Paternoster, einen Tag fasten
etc. Mit der übrigen Buße wies man sie ins Fegefeuer.
Hier war nun auch eitel Jammer und Not. Etliche meinten, sie würden nimmer
aus dem Fegefeuer kommen, dieweil nach den alten Canones sieben
Jahre Buße auf eine Todsünde gehört. Dennoch stand die Zuversicht auch
auf unserem Werk der Genugtuung, und wenn die Genugtuung hätte vollkommen
sein können, so hätte die Zuversicht ganz darauf gestanden, und es
wäre weder Glaube noch Christus nütze gewesen, aber sie war unmöglich.
Wenn nun einer hundert Jahre also gebüßt hätte, so hätte er doch nicht gewußt,
wann er ausgebüßt hätte. Das hieß immerdar gebüßt und nimmermehr
zur Buße kommen.
Hier kam nun der heilige Stuhl zu Rom der armen Kirche zu Hilfe und erfand
den Ablaß. Damit vergab er und hob auf die Genugtuung, erst einzelne
sieben Jahre, hundert Jahre etc. und verteilte es unter die Kardinäle und Bischöfe,
daß einer hundert Jahre, einer hundert Tage Ablaß geben konnte;
aber die ganze Genugtuung aufzuheben, behielt er sich allein vor.
Da nun solches begann, Geld zu tragen, und der Bullenmarkt gut war, erdachte
er das Guldenjahr und legte es nach Rom, das hieß Vergebung aller
Pein und Schuld. Da liefen die Leute hinzu, denn es wäre jedermann gern
von der schweren, unerträglichen Last los gewesen. Das hieß: die Schätze
der Erde finden und heben. Flugs eilt der Papst weiter und macht viele Guldenjahre
nacheinander. Aber je mehr Geld er verschlang, je weiter wurde
ihm der Schlund. Darum schickte er’s danach durch Legaten heraus in die
Länder, bis alle Kirchen und Häuser voll Guldenjahre wurden. Zuletzt rumpelte
er auch ins Fegefeuer unter die Toten, erstens mit Messen- und Vigilienstiften,
danach mit dem Ablaß und dem Guldenjahr, und endlich wurden
die Seelen so wohlfeil, daß er eine um einen Schwertgroschen losgab.
14
Auch das alles half noch nicht; denn der Papst, wiewohl er die Leute lehrt,
auf solchen Ablaß sich zu verlassen und vertrauen, so macht er’s doch selber
wiederum auch ungewiß; denn er setzt in seine Bulle: »Wer des Ablasses
oder Guldenjahres teilhaftig sein wollte, der sollte bereut und gebeichtet
haben und Geld geben.« Nun haben wir droben gehört, daß solche Reue und
Beichte bei ihnen ungewiß und Heuchelei ist. Desgleichen wußte auch niemand,
welche Seele im Fegefeuer wäre. Und wenn etliche drinnen wären,
wußte niemand, welche recht bereut und gebeichtet hätte. Also nahm er das
Geld und vertröstete sie auf seine Gewalt und Ablaß und wies sie doch wiederum
auf ihr ungewisses Werk.
Wo nun etliche waren, die nicht solcher wirklicher Sünden mit Gedanken,
Worten und Werken sich schuldig dünkten, wie ich und meinesgleichen in
Klöstern und Stiften Mönche und Pfaffen sein wollten, die wir mit Fasten,
Wachen, Beten, Messehalten, harten Kleidern und Lager etc. uns wehrten
gegen böse Gedanken und mit Ernst und Gewalt heilig sein wollten, und wo
doch das erblich angeborene Übel etwa im Schlaf das tat, wie auch S. Augustinus
und Hieronymus mit anderen bekennen, was seine Art ist, so hielt
doch ein jeglicher vom andern, daß etliche so heilig wären, wie wir lehrten,
die ohne Sünde voller guter Werke wären, so daß wir darauf unsere guten
Werke anderen, als für uns zum Himmel überflüssig, mitteilten und verkauften,
das ist ja wahr, und Siegel, Briefe und Exempel sind vorhanden.
Diese bedurften der Buße nicht; denn was wollten sie bereuen? Wo sie doch
in böse Gedanken nicht einwilligten. Was wollten sie beichten? Wo sie doch
böse Worte vermieden. Wofür wollten sie genugtun? Wo sie doch der Tat
unschuldig waren, so daß sie auch anderen armen Sündern ihre übrige Gerechtigkeit
verkaufen konnten. Solche Heiligen waren auch die Pharisäer
und Schriftgelehrten zur Zeit Christi.
Hier kommt der feurige Engel S. Johannes (Offb. 10, 1), der rechten Buße
Prediger, und schlägt mit einem Donner alle beide in einen Haufen, spricht:
»Tut Buße!« So denken jene: »Haben wir doch gebüßt«; diese denken: »Wir
bedürfen keiner Buße«. Spricht Johannes: »Tut alle beide Buße; denn ihr
seid falsche Büßer, ebenso sind diese falsche Heilige, und ihr bedürft alle
beide der Vergebung der Sünden, weil ihr alle beide noch nicht wißt, was
die rechte Sünde sei, geschweige, daß ihr sie büßen oder meiden solltet. Es
ist euer keiner gut, ihr seid voller Unglauben, Unverstand und Unwissenheit
Gottes und seines Willens; denn da ist er vorhanden, von dessen Fülle wir
alle Gnade um Gnade nehmen müssen (Joh 1, 16), und kein Mensch kann
vor Gott ohne ihn gerecht sein. Darum, wollt ihr büßen, so büßt recht. Eure
Buße tut’s nicht. Und ihr Heuchler, die ihr keiner Buße bedürft, ihr Schlangengeziefer
(Mt 3,7), wer hat euch versichert, daß ihr dem künftigen Zorn
entrinnen werdet? etc.«
Also predigt auch S. Paulus Röm 3,10-12 und spricht: »Es ist keiner verständig,
keiner gerecht, keiner achtet Gottes, keiner tut Gutes, auch nicht
einer, allzumal sind sie untüchtig und abtrünnig«. Und Apg 17,30: »Nun
aber gebietet Gott allen Menschen, an allen Enden Buße zu tun«. » Allen
Menschen«, spricht er; niemand ausgenommen, der ein Mensch ist. Diese
Buße lehrt uns, die Sünde zu erkennen, nämlich, daß es mit uns allen verlo15
ren ist, Haut und Haar nicht gut ist und wir schlechthin neue und andere
Menschen werden müssen.
Diese Buße ist nicht Stückwerk und armselig wie jene, die die wirklichen
Sünden büßt, und ist auch nicht ungewiß wie jene, denn sie disputiert nicht,
welches Sünde oder nicht Sünde sei, sondern stößt alles in den Haufen,
spricht, es sei alles eitel Sünde mit uns. Was wollen wir lange suchen, teilen
oder unterscheiden? Darum so ist auch hier die Reue nicht ungewiß, denn es
bleibt nichts da, womit wir etwas Gutes gedenken möchten, die Sünde zu
bezahlen, sondern ein bloßes, gewisses Verzagen an allem, was wir sind,
denken, reden oder tun etc.
Desgleichen kann die Beichte auch nicht falsch, ungewiß, oder Stückwerk
sein; denn wer bekennt, daß alles eitel Sünde mit ihm sei, der begreift alle
Sünde, läßt keine aus und vergißt auch keine. Also kann die Genugtuung
auch nicht ungewiß sein; denn sie ist nicht unser ungewisses, sündliches
Werk, sondern das Leiden und Blut des unschuldigen »Lammes Gottes, das
der Welt Sünde trägt« (Joh 1, 29).
Von dieser Buße predigt Johannes und hernach Christus im Evangelium,
und wir auch. Mit dieser Buße stoßen wir den Papst und alles, was auf unsere
guten Werke gebaut ist, zu Boden; denn es ist alles auf einen faulen,
nichtigen Grund gebaut, welcher heißt gute Werke oder Gesetz, wo doch
kein gutes Werk da ist, sondern eitel böse Werke, und niemand das Gesetz
tut, wie Christus Joh 7,19 sagt, sondern allzumal übertritt. Darum ist das
Gebäude eitel falsche Lügen und Heuchelei, wo es am allerheiligsten und
allerschönsten ist.
Und diese Buße währt bei den Christen bis in den Tod; denn sie beißt sich
mit der übriggebliebenen Sünde im Fleisch durchs ganze Leben, wie Paulus
Röm 7,23 bezeugt, daß er kämpfe mit dem Gesetz seiner Glieder etc., und
das nicht durch eigene Kräfte, sondern durch die Gabe des Heiligen Geistes,
welche auf die Vergebung der Sünden folgt. Dieselbe Gabe reinigt und fegt
täglich die übrigen Sünden aus und arbeitet, den Menschen recht rein und
heilig zu machen.
Hiervon wissen Papst, Theologen, Juristen noch kein Mensch etwas, sondern
es ist eine Lehre vom Himmel, durchs Evangelium geoffenbart, und
muß Ketzerei heißen bei den gottlosen Heiligen.
Wiederum, wenn etliche Rottengeister kommen würden, wie vielleicht etliche
bereits da vorhanden sind und zur Zeit des Aufruhrs mir selbst vor Augen
kamen, die da meinen, daß alle die, die einmal den Geist oder Vergebung
der Sünden empfangen hätten oder gläubig geworden wären, wenn
diese hernach sündigten, so blieben sie gleichwohl im Glauben und solche
Sünde schadete ihnen nichts, und schreien also: »Tu, was du willst; glaubst
du, so ist’s alles nichts, der Glaube vertilgt alle Sünde« etc., und sagen dazu,
wenn jemand nach dem Glauben und Geist sündige, so habe er den Geist
und Glauben nie recht gehabt. Solcher unsinniger Menschen habe ich viele
vor mir gehabt und sorge, daß noch in etlichen ein solcher Teufel stecke.
16
Darum so ist vonnöten, zu wissen und zu lehren, daß die heiligen Leute,
abgesehen davon, daß sie die Erbsünde noch haben und fühlen, dawider
auch täglich büßen und streiten, und überdies in öffentliche Sünden fallen
wie David in Ehebruch, Mord und Gotteslästerung (2Sam 11), daß alsdann
der Glaube und der Geist weggewesen ist; denn der Heilige Geist läßt die
Sünde nicht walten und überhand gewinnen, daß sie vollbracht werde; sondern
steuert und wehrt, daß sie nicht tun muß, was sie will. Tut sie aber, was
sie will, so ist der Heilige Geist und Glaube nicht dabei. Denn es heißt, wie
S. Johannes sagt (1Joh 3,9 u. 5,18): »Wer aus Gott geboren ist, der sündigt
nicht und kann nicht sündigen«. Und es ist doch auch die Wahrheit, wie
derselbe S. Johannes schreibt (1Joh 1,8): »Wenn wir sagen, daß wir keine
Sünde haben, so lügen wir, und Gottes Wahrheit ist nicht in uns«.
4. Vom Evangelium
Wir wollen nun wieder zum Evangelium kommen, welches nicht mir auf
einerlei Weise Rat und Hilfe gegen die Sünde gibt. Denn Gott ist reich in
seiner Gnade: Erstens durchs mündliche Wort, worin Vergebung der Sünde
gepredigt wird in alle Welt, welches das eigentliche Amt des Evangeliums
ist. Zum andern durch die Taufe, zum dritten durchs Heilige Sakrament des
Altars; zum vierten durch die Kraft der Schlüssel und auch per mutuum
colloquium et consolationem fratrum (durch gegenseitiges Unterreden und
Trösten der Brüder), Mt 18, 20: Ubi duo fuerint congregari (wo zwei oder
drei versammelt sind) etc.
5. Von der Taufe
Die Taufe ist nichts anderes als Gottes Wort im Wasser, durch seine Einsetzung
befohlen, oder, wie Paulus sagt, lavacrum in verbo (Eph 5,26), wie
auch Augustinus sagt: Accedat verbum ad elementum et fit sacramentum
(Es tritt das Wort zum Element, und es wird daraus ein Sakrament). Und
darum halten wir’s nicht mit Thomas und den Predigermönchen, die des
Wortes, Gottes Einsetzung, vergessen und sagen, Gott habe eine geistliche
Kraft ins Wasser gelegt, welche die Sünde durchs Wasser abwasche; auch
nicht mit Scotus und den Barfüßermönchen, die da lehren, daß die Taufe die
Sünde abwasche aus Beistehen göttlichen Willens, also daß diese Abwaschung
allein durch Gottes Willen geschieht, gar nicht durchs Wort oder
Wasser.
Von der Kindertaufe halten wir, daß man die Kinder taufen solle; denn sie
gehören auch zu der verheißenen Erlösung, durch Christum geschehen (Mt
19,14), und die Kirche soll sie ihnen reichen.
6. Vom Sakrament des Altars
halten wir, daß Brot und Wein im Abendmahl der wahrhaftige Leib und
Blut Christi seien und werde nicht allein gereicht und empfangen von
frommen, sondern auch von bösen Christen.
Und daß man nicht einerlei Gestalt allein geben soll. Und wir bedürfen der
hohen Kunst nicht, die uns lehre, daß unter einerlei Gestalt soviel sei wie
unter beiden, wie uns die Sophisten und das Konzil zu Konstanz lehren.
17
Denn ob es gleich wahr wäre, daß unter einer soviel sei wie unter beiden, so
ist doch die eine Gestalt nicht die ganze Ordnung und Einsetzung, durch
Christus gestiftet und befohlen. Und besonders verdammen und verfluchen
wir in Gottes Namen diejenigen, die nicht allein beide Gestalten aufgeben,
sondern auch gar herrlich von daher verbieten, verdammen, als Ketzerei
verlästern und sich damit gegen und über Christus, unsern Herrn und Gott
setzen etc.
Von der Transsubstantiation achten wir der spitzfindigen Sophisterei gar
nichts, da sie lehren, daß Brot und Wein ihr natürliches Wesen verlassen
oder verlieren und allein Gestalt und Farbe des Brotes bleibe und nicht
richtiges Brot; denn es reimt sich mit der Schrift aufs beste, daß Brot da sei
und bleibe, wie es S. Paulus selbst nennt (1. Kor 10,16): »Das Brot, das wir
brechen«, und (1 Kor 11, 28): »Also esse er von dem Brot«.
7. Von den Schlüsseln
Die Schlüssel sind ein Amt und Gewalt, der Kirche von Christus gegeben,
die Sünden zu binden und zu lösen, nicht allein die groben und wohlbekannten
Sünden, sondern auch die subtilen, heimlichen, die Gott allein
kennt, wie geschrieben steht (Ps 19,13): »Wer kennt, wie viel er fehlet?«
Und Paulus (Röm 7,23) klagt selbst, daß er mit dem Fleisch dem »Gesetz
der Sünde« diene; denn es steht nicht bei uns, sondern bei Gott allein, zu
urteilen, welche, wie groß und wie viel die Sünden sind, wie geschrieben
steht (Ps 143,2): »Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir
ist kein lebendiger Mensch gerecht«. Und Paulus sagt auch 1. Kor 4,4: »Ich
bin mir wohl nichts bewußt, aber darum bin ich nicht gerecht«.
8. Von der Beichte
Weil die Absolution oder Kraft des Schlüssels auch eine Hilfe und Trost
gegen die Sünde und das böse Gewissen ist, im Evangelium durch Christus
gestiftet, so soll man die Beichte oder Absolution beileibe nicht abkommen
lassen in der Kirche, besonders um der geängsteten Gewissen willen, und
auch um des jungen, rohen Volkes willen, damit es verhört und unterrichtet
werde in der christlichen Lehre.
Die Aufzählung der Sünden aber soll einem jeden frei sein, was er erzählen
oder nicht erzählen will; denn solange wir im Fleisch sind, werden wir nicht
lügen, wenn wir sagen: »Ich bin ein armer Mensch voller Sünde«, Röm
7,23: »Ich fühle ein anderes Gesetz in meinen Gliedern« etc.; denn weil die
absolutio privata (Privat-Absolution) von dem Amt der Schlüssel herkommt,
soll man sie nicht verachten, sondern hoch und wert halten wie alle anderen
Ämter der christlichen Kirche.
Und in diesen Stücken, die das mündliche, äußerliche Wort betreffen, ist
fest dabei zu bleiben, daß Gott niemandem seinen Geist oder Gnade gibt
außer durch oder mit dem vorhergehenden äußerlichen Wort, damit wir uns
bewahren vor den Enthusiasten, das ist Geistern, die sich rühmen, ohne und
vor dem Wort den Geist zu haben, und danach die Schrift oder mündliches
Wort richten, deuten und dehnen nach ihrem Gefallen, wie es der Münzer
tat und heutigen Tages noch viele tun, die zwischen dem Geist und Buch18
staben scharfe Richter sein wollen und wissen nicht, was sie sagen oder
setzen. Denn das Papsttum ist auch eitel Enthusiasmus, worin der Papst
rühmt: »Alle Rechte sind im Schrein seines Herzens«; und was er mit seiner
Kirche urteilt und heißt, das soll Geist und Recht sein, wenn es gleich über
und gegen die Schrift oder mündliches Wort ist. Das ist alles der alte Teufel
und die alte Schlange, die Adam und Eva auch zu Enthusiasten machte, vom
äußerlichen Wort Gottes auf Geisterei und Eigendünkel führte und es doch
auch durch andere äußerliche Worte tat, gleichwie auch unsere Enthusiasten
das äußerliche Wort verdammen, und doch sie selbst nicht schweigen, sondern
die Welt vollplaudern und schreiben, gerade als könnte der Geist nicht
durch die Schrift oder das mündliche Wort der Apostel kommen. Aber
durch ihre Schrift und Worte mußte er kommen. Warum lassen sie auch ihre
Predigt und Schrift nicht anstehen, bis der Geist selber in die Leute ohne
und vor ihrer Schrift kommt, wie sie rühmen, daß er in sie gekommen sei
ohne Predigt der Schrift? Davon ist hier nicht weiter Zeit zu disputieren; wir
haben es sonst genug besprochen.
Denn auch die, die vor der Taufe glauben oder in der Taufe gläubig werden,
haben es durch das äußerliche, vorgehende Wort, wie die Alten, die zur
Vernunft gekommen sind, vorher gehört haben müssen, daß: »Wer da glaubet
und getauft wird, der ist selig« (Mk 16,16), ob sie gleich, erst ungläubig,
nach zehn Jahren den Geist und die Taufe kriegen. Und Cornelius Apg 10
hatte lange zuvor bei den Juden vom zukünftigen Messias gehört, wodurch
er gerecht vor Gott war und sein Gebet und Almosen angenehm waren in
solchem Glauben, wie Lukas ihn »gerecht und gottesfürchtig« nennt (Apg
10,2.22), und nicht ohne solch ein vorhergehendes Wort oder Gehörtes
glauben noch gerecht sein konnte. Aber S. Petrus mußte ihm offenbaren,
daß der Messias, an welchen als zukünftigen er bis dahin geglaubt hatte, nun
gekommen wäre und sein Glaube vom zukünftigen Messias ihn nicht bei
den verstockten, ungläubigen Juden gefangen hielte, sondern er wüßte, daß
er nun durch den gegenwärtigen Messias selig werden müsse und denselben
nicht mit den Juden verleugne noch verfolge etc.
Summa: Der Enthusiasmus steckt in Adam und seinen Kindern von Anfang
bis zum Ende der Welt, von dem alten Drachen in sie gestiftet und gegiftet,
und ist aller Ketzerei, auch des Papsttums und Mohammeds Ursprung, Kraft
und Macht. Darum sollen und müssen wir darauf beharren, daß Gott nicht
mit uns Menschen handeln will als durch sein äußerliches Wort und Sakrament.
Alles aber, was ohne solch Wort und Sakrament vom Geist gerühmt
wird, das ist der Teufel; denn Gott wollte auch Mose zuerst durch den feurigen
Busch und mündliches Wort erscheinen. Und kein Prophet, weder Elia
noch Elisa, haben außerhalb oder ohne die Zehn Gebote den Geist gekriegt.
Und Johannes der Täufer wurde nicht ohne Gabriels vorhergehendes Wort
empfangen (Lk 1,13f), noch sprang er ohne Marias Stimme in seiner Mutter
Leibe (Lk 1,41). Und S. Petrus spricht (2. Petr 1,21): Die Propheten haben
nicht »aus menschlichem Willen«, sondern aus dem »Heiligen Geist« geweissagt,
doch als die »heiligen Menschen Gottes«. Aber ohne äußerliches
Wort waren sie nicht heilig, viel weniger hatte der Heilige Geist sie als noch
Unheilige zu reden getrieben; denn sie waren heilig, spricht er, da der Heilige
Geist durch sie redet.
19
9. Vom Bann
Den großen Bann, wie es der Papst nennt, halten wir für eine rein weltliche
Strafe, und er geht uns Kirchendiener nichts an. Aber der kleine, das ist der
rechte christliche Bann, ist, daß man offenbare, halsstarrige Sünder nicht
zum Sakrament oder anderer Gemeinschaft der Kirche kommen lassen soll,
bis sie sich bessern und die Sünde meiden. Und die Prediger sollen in diese
geistliche Strafe oder Bann nicht die weltliche Strafe mengen.
10. Von der Weihe und Vokation
Wenn die Bischöfe rechte Bischöfe sein und sich der Kirche und des Evangeliums
annehmen wollten, so möchte man um der Liebe und Einigkeit
willen, jedoch nicht aus Notwendigkeit, das gegeben sein lassen, daß sie uns
und unsere Prediger ordinierten und bestätigten, doch ohne alle Larven und
Gespenster unchristlichen Wesens und Gepränges. Da sie nun aber nicht
rechte Bischöfe sind oder auch nicht sein wollen, sondern weltliche Herren
und Fürsten, die weder predigen noch lehren noch taufen noch kommunizieren
noch irgendein Werk oder Amt der Kirche verrichten wollen, dazu diejenigen,
die ein solches Amt berufenermaßen verrichten, verfolgen und verdammen,
so muß dennoch um ihretwillen die Kirche nicht ohne Diener
bleiben.
Darum wie die alten Exempel der Kirche und Väter uns lehren, wollen und
sollen wir selbst tüchtige Personen zu solchem Amt ordinieren. Und das
haben sie uns nicht zu verbieten noch zu wehren, auch nach ihrem eigenen
Recht; denn ihre Rechte sagen, daß auch diejenigen, die von Ketzern ordiniert
sind, ordiniert heißen und bleiben sollen. Wie S. Hieronymus schreibt
von der Kirche zu Alexandria, daß sie zuerst ohne Bischöfe durch die Priester
und Prediger insgemein regiert worden ist.
11. Von der Priesterehe
Daß sie die Ehe verboten und den göttlichen Stand der Priester mit ewiger
Keuschheit beschwert haben, dazu haben sie weder Fug noch Recht gehabt,
sondern haben gehandelt wie die antichristlichen, tyrannischen, üblen Taugenichtse
und damit Ursache gegeben zu allerlei schrecklichen, greulichen,
unzähligen Sünden der Unkeuschheit, worin sie denn noch stecken. So wenig
nun uns oder ihnen Macht gegeben ist, aus einem Männlein ein Fräulein
oder aus einem Fräulein ein Männlein zu machen oder beides aufzuheben,
so wenig haben sie auch Macht gehabt, solche Kreatur Gottes zu scheiden
oder zu verbieten, daß sie nicht ehrlich und ehelich beieinander wohnen
sollten. Darum wollen wir in ihren leidigen Zölibat nicht willigen, ihn auch
nicht leiden, sondern die Ehe frei haben, wie sie Gott geordnet und gestiftet
hat, und wollen sein Werk nicht zerreißen noch hindern. Denn S. Paulus
sagt (1. Tim 4,1), es sei »eine teuflische Lehre«.
12. Von der Kirche
Wir gestehen ihnen nicht zu, daß sie die Kirche seien, und sie sind es auch
nicht, und wir wollen auch nicht hören, was sie im Namen der Kirche gebieten
oder verbieten; denn es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was
20
die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und »die Schäflein, die ihres
Hirten Stimme hören« (Joh 10,3); denn also beten die Kinder: »Ich glaube
an eine heilige christliche Kirche.« Diese Heiligkeit besteht nicht in Chorhemden,
Platten, langen Röcken und anderen ihrer Zeremonien, durch sie
über die heilige Schrift hinaus erdichtet, sondern im Wort Gottes und im
rechten Glauben.
13. Wie man vor Gott gerecht wird, und von guten Werken
Was ich davon bisher und stets gelehrt habe, das weiß ich gar nicht zu ändern,
nämlich daß wir »durch den Glauben«, wie S. Petrus sagt (Apg 15,9),
ein anderes, neues, reines Herz kriegen und Gott uns um Christi, unseres
Mittlers, willen für ganz gerecht und heilig halten will und hält. Obwohl die
Sünde im Fleisch noch nicht ganz weg oder tot ist, so will er sie doch nicht
anrechnen noch wissen.
Und auf solchen Glauben, Erneuerung und Vergebung der Sünde folgen
dann gute Werke; und was an denselben auch noch sündlich oder Mangel
ist, soll nicht als Sünde oder Mangel gerechnet werden, eben um desselben
Christi willen, sondern der Mensch soll ganz, beides, nach der Person und
seinen Werken, gerecht und heilig heißen und sein aus lauter Gnade und
Barmherzigkeit, in Christus über uns ausgeschüttet und ausgebreitet. Darum
können wir nicht viel Verdienst unserer Werke rühmen, wo sie ohne Gnade
und Barmherzigkeit angesehen werden, sondern, wie geschrieben steht (1.
Kor 1,31): »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn,« das heißt, daß er
einen gnädigen Gott hat. So ist alles gut. Weiter sagen wir auch, daß, wo
gute Werke nicht folgen, da ist der Glaube falsch und nicht recht.
14. Von den Klostergelübden
Weil die Klostergelübde stracks gegen den ersten Hauptartikel streiten, so
sollen sie schlechthin abgetan sein; denn sie sind es, wovon Christus sagt
Mt 24,5 „Ich bin Christus“ etc; denn wer da ein Klosterleben gelobt, der
glaubt, daß er ein besseres Leben führe als der gemeine Christenmann, und
will durch seine Werke nicht allein sich selber, sondern auch anderen zum
Himmel helfen. Das heißt Christus verleugnen etc. Und sie rühmen aus ihrem
S. Thomas, daß das Klostergelübde der Taufe gleich sei.
15. Von Menschensatzungen
Daß die Papisten sagen, Menschensatzungen dienen zur Vergebung der
Sünden oder verdienen die Seligkeit, das ist unchristlich und verdammt, wie
Christus spricht (Mt 15,9): »Vergeblich dienen sie mir, weil sie solche Lehren
lehren, die nichts sind als Menschengebot«. Ebenso Titus 1,14: „Die
sich von der Wahrheit abwenden.“ Ebenso, daß sie sagen, es sei Todsünde,
solche Satzungen zu brechen, ist auch nicht recht.
Dies sind die Artikel, worauf ich stehen muß und stehen will bis in meinen
Tod, wenn Gott will, und ich weiß darin nichts zu ändern noch nachzugeben.
Will aber jemand etwas nachgeben, das tue er auf sein Gewissen.
21
Zuletzt ist noch der Gaukelsack des Papstes übrig von närrischen und kindischen
Artikeln wie von Kirchweihe, von Glocken taufen, Altarstein taufen
und Gevattern dazu bitten, die dazu Geschenke geben etc. Solches Taufen
ist ein Spott und Hohn der heiligen Taufe, so daß man es nicht leiden soll.
Danach von Lichter weihen, Palmen, Gewürze, Hafer, Fladen weihen etc.,
was doch nicht geweiht heißen noch sein kann, sondern eitel Spott und Betrug
ist.
Und es ist unzählig viel des Gaukelwerks, welches wir ihrem Gott anbefehlen,
und ihnen selbst, anzubeten, bis sie es müde werden. Wir wollen damit
unverworren sein.
Es folgen 43 Unterschriften.
Melanchthon macht dabei folgenden Vorbehalt:
»Ich, Philippus Melanchthon, halte diese oben aufgestellten Artikel auch für
recht und christlich; vom Papst aber halte ich, falls er das Evangelium zulassen
wollte, daß ihm um des Friedens und gemeinsamer Einigkeit willen
mit denjenigen Christen, die auch unter ihm sind und künftig sein möchten,
seine Superiorität über die Bischöfe, die er iure humano hat, auch von uns
zuzulassen sei.«



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