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2005/12/28 (20:16) from 129.206.196.118' of 129.206.196.118' Article Number : 241
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Manfred Spieker | Menschenwrde und In-vitro-Ferti
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Manfred Spieker
Menschenwrde und In-vitro-Fertilisation
Zur Problematik der Zertifizierung der Zeugung*
Zusammenfassung
Im ersten Teil wird diskutiert, was die Menschenwrde ist, welche Achtungs- und Unterlassungspflichten
aus ihr folgen, weshalb das Grundgesetz nicht nur innerhalb des Art. 1,
sondern auch in den Art. 1 bis 3 wohlkomponiert ist und Drigs Formel, dass die Menschenwrde
es verbiete, den Menschen 퍉um Objekt, zu einem bloen Mittel, zur vertretbaren
Gr秤e herabzuwrdigen, ungebrochene Aktualitt besitzt. Zugleich werden
verschiedene kritische Argumente errtert, die alle darauf hinauslaufen, dem Nasciturus
die Menschenwrde abzusprechen. Im zweiten Teil werden die der assistierten Reproduktion
immanenten Probleme errtert, die den Schluss nahe legen, dass IVF-Behandlungen
mit der Menschenwrdegarantie unvereinbar sind. Am offenkundigsten zeigt sich
dieser Widerspruch bei der Produktion und Implantation mehrerer Embryonen, die bei
팫rfolgreicher Behandlung zu einem Fetozid fhren bzw. nach Kryokonservierung der so
genannten berzhligen Embryonen zur Frage, was mit ihnen geschehen soll. Deshalb versetzt
die IVF auch Eltern oft in ein auswegloses Dilemma. Sie verlangt die paradoxe Entscheidung,
Leben eines Kindes und Tod seiner Geschwister gleichzeitig zu wollen. Aber
auch dann, wenn die Probleme des Fetozids, der Mehrlingsraten und der berzhligen
Embryonen vermieden werden knnen, gbe es Grnde, an der Vereinbarkeit von Menschenwrdegarantie
und IVF zu zweifeln. Diese Grnde werden im dritten Teil zum einen
aus der Perspektive der Eltern, zum anderen aus der des Kindes errtert.
Abstract/Summary
The paper first discusses human dignity and the obligations of respect and restraint which
result from it, arguing that articles 1 3 of the Basic Law are well constructed and Drig뭩
phrase that human dignity prohibits turning any human being 팱nto an object, a mere
means, a negotiable quantity still holds true today. At once the paper considers various
critical arguments all designed to deny the nasciturus human dignity. The second part looks
at the immanent problems of assisted reproduction, which suggest that IVF treatment is
incompatible with human dignity. This is most clearly the case where the 퍀uccessful implantation
of several embryos leads to feticide or cryoconservation to the question of what
to do with 퍀pare embryos. Hence IVF often poses a dilemma for parents: it demands
the paradoxical decision to want the life of one child and the death of its siblings at the
same time. Even if the problems mentioned (feticide, multiple pregnancies, and supernumerary
embryos) can be overcome there would still be reasons to doubt that IVF and the
guarantee of human dignity are compatible. These reasons are discussed from the perspective
of the parents and the children in the third section of the paper.
Schlsselwrter
In-vitro-Fertilisation; Menschenwrde; Anthropologie; Ethik.
Zeitschrift fr medizinische Ethik 51 (2005) 343
Keywords
in vitro fertilization; human dignity; anthropology; ethics.
Reproduktionsmediziner rechtfertigen die knstliche Befruchtung mit dem Leiden ihrer
Patienten. Kinderlosigkeit gilt als Krankheit, die knstliche Befruchtung als deren Therapie.
Die Krankenkassen haben sich dem nicht verschlossen und die assistierte Reproduktion
als Sterilittstherapie in ihren Leistungskatalog aufgenommen, obgleich die Sterilitt
selbst nach einer erfolgreichen, also zur Geburt eines Kindes fhrenden Behandlung die
gleiche ist wie zuvor. Reproduktionsmediziner behandeln mit der In-vitro-Fertilisation und
der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion also nicht eine Krankheit, sondern einen
Wunsch, den Wunsch nach einem Kind.
Dieser Wunsch ist legitim. Er ist Teil der conditio humana. Die Fortpflanzung gehrt zu
den zeit- und kulturunabhngigen Bedrfnissen, den 팫xistentiellen Zwecken der
menschlichen Natur.1 Dass sich ein Ehepaar Kinder wnscht, dass Mann und Frau sich
danach sehnen, miteinander und durcheinander Vater und Mutter zu werden und ihre
Liebe in der Geburt eines gemeinsamen Kindes sich manifestieren zu lassen, all dies ist
Teil der menschlichen, geschlechtsbezogenen Identitt. Legitim ist auch, dass Medizin und
Psychologie Probleme bei der Realisierung des Kinderwunsches in Forschung und Therapie
behandeln.
Die Legitimitt einer medizinischen Intervention hngt allerdings davon ab, dass sich
der intervenierende Arzt der Tatsache bewusst bleibt, dass er es nicht nur mit dem Kinderwunsch
eines Paares (oder einer allein stehenden Frau), sondern mit dem Kind als einem
dritten Subjekt zu tun hat. Eine Therapie, die dieser Verantwortung gerecht werden
will, kann sich deshalb nicht darauf beschrnken, das Kind nur als Objekt von Elternwnschen
oder Fertilisationsmethoden zu betrachten. Das Ziel jeder assistierten Reproduktion
ist ein Objekt eigener Art, ein Objekt, das zugleich Subjekt ist, ein Subjekt, dem
Menschenwrde zukommt.
Warum kommt dem Embryo Menschenwrde zu? Was ist mit der Wrde des Menschen,
die Art. 1 GG als unantastbar und als aller staatlichen Gewalt vorgegeben bezeichnet,
berhaupt gemeint? Die zweite Frage ist zuerst zu beantworten, da der Konsens,
der das Verstndnis der Menschenwrde und des Art. 1 GG ein halbes Jahrhundert getragen
hat, brchig geworden ist. Fr die einen ist Menschenwrde neuerdings 팫ine inhaltsleere
Tautologie, ein 팗chlagwort ohne jeden deskriptiven Gehalt und ein 팶utzloser
Begriff, auf den man 팮ut verzichten knne.2 Fr andere ist er ein 팮eschichts- und
kulturbezogener Umschreibungsbegriff mit religisem oder zumindest weltanschaulichphilosophischem
Hintergrund, der fr so subjektiv gehalten wird, dass der Begriff fr eine
verfassungs- oder medizinrechtliche Diskussion ebenfalls nicht brauchbar sei.3 Fr wieder
andere ist er zwar ein Schlsselbegriff der Verfassung, aber in besonderem Mae in zeitgeschichtlich-
weltanschauliche Zusammenhnge eingebettet, wenig operabel, eine 팶ichtinterpretierte
These und deshalb 팫ntwicklungsoffen, so dass nahezu alle biomedizinischen
Entwicklungen, die in der In-vitro-Fertilisation ihren Ausgangspunkt haben, als mit
der Menschenwrde kompatibel gelten.4 Dass in dieser entwicklungs- und damit eben
auch abwgungsoffenen Perspektive mit abgestufter Menschenwrdezuschreibung der
Embryo in vitro das erste Opfer ist, demonstrierten nicht nur zahlreiche Stimmen der
Rechtswissenschaft, der Philosophie und der Evangelischen Theologie, sondern auch die
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in ihrem Vortrag vom 29. Oktober 2003 an der
344 Manfred Spieker
Berliner Humboldt-Universitt. Dem Embryo in vitro knne noch keine Menschenwrde
zuerkannt werden, da er nur eine 팤bstrakte Mglichkeit habe, sich zu einem Menschen
zu entwickeln5 ein wahrhaft biologistischer Standpunkt, in dem die Gebrmutter einen
geradezu ontologischen Rang erhlt. Mit Recht hat Ernst-Wolfgang Bckenfrde diese entwicklungs-
und abwgungsoffene Perspektive auf den knappen Nenner gebracht: 틾ie
Wrde des Menschen war unantastbar.6
Die Menschenwrde kommt dem Menschen zu, weil er Mensch ist. Mensch sein heit
Person sein und Person sein heit, ein 팈emand und nicht ein 틿twas zu sein. Aus einem
틿twas kann nie ein 팈emand werden. Die Person ist nicht die Manifestation einer
Wesenheit, die gegenber dieser Manifestation indifferent ist. Die Weise, wie der Mensch
Exemplar seiner Spezies ist, unterscheidet sich von der Weise, wie andere Individuen
Hunde oder Blumen Exemplare ihrer Art sind. Die Verwendung des Begriffs 팒erson
ist deshalb 팮leichbedeutend mit einem Akt der Anerkennung bestimmter Verpflichtungen
gegen denjenigen, den man so bezeichnet.7 Personalitt ist ein Status, und zwar der
einzige Status, der nicht von anderen verliehen wird, sondern jedem natrlicherweise, kraft
seiner Existenz, zukommt. Personalitt ist ein Status, aus dem sich Achtungsansprche ergeben.
Der Person kommt deshalb Wrde zu kraft ihrer Existenz nicht auf Grund von
Verdienst oder Zuerkennung. Die Wrde ist der Existenz eines Menschen immanent, dem
Leben eines Menschen 팳oexistierend. Sie ist nicht teilbar, in keiner Phase seines Lebens
existiert der Mensch ohne sie, und sie kommt allen Menschen gleicherweise zu.8
Wrde haben bedeutet somit, ein Rechtssubjekt zu sein. Kein Mensch ist blo Objekt.
Wrde haben bedeutet, 팶iemals und nirgends rechtlos dazustehen [] kein Mensch fngt
also rechtlich betrachtet bei Null an.9 Weil er Wrde hat, hat er unverletzliche und
unveruerliche Menschenrechte. Der wohlkomponierte Art. 1 GG bringt dies in Abs. 2
mit dem Wort 팪arum zum Ausdruck. 틾as Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen
und unveruerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen
Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. Dieses Bekenntnis des
Grundgesetzes hat fr die Menschenrechte keine konstitutive, sondern nur deklaratorische
Bedeutung. Die Menschenrechte sind dem Staat vorgegeben. Sie kommen dem Menschen
zu, weil er Wrde hat. 틿in Volk, das sich bei der Verfassungsgebung um der Wrde des
Menschen willen zur Idee vorstaatlicher Menschenrechte bekennt, hat eine przise Vorstellung
davon, was es bedeutet, Wrde zu haben.10 Diese kopernikanische Wende in der
deutschen Verfassungsgeschichte hat Konrad Adenauer in einer Grundsatzrede in der Klner
Universitt schon am 26. Mrz 1946 auf den Punkt gebracht: 틾ie menschliche Person
hat eine einzigartige Wrde und der Wert jedes einzelnen Menschen ist unersetzlich.
Aus diesem Satz ergibt sich eine Staats-, Wirtschafts- und Kulturauffassung, die neu ist
gegenber der in Deutschland seit langem blichen []. Der Staat besitzt kein schrankenloses
Recht; seine Macht findet ihre Grenze an der Wrde und den unveruerlichen
Rechten der Person.11 Diese Haltung prgte drei Jahre spter die Beratungen des Grundgesetzes,
aber auch jene der meisten Lnderverfassungen, der Allgemeinen Erklrung der
Menschenrechte der UNO vom 10. Dezember 1948, zuvor schon die der UN-Charta vom
26. Juni 1945 und spter die der Menschenrechtskonvention des Europarates (1950) und
seiner Bioethikkonvention (1996). Insofern kann man gewiss sagen, die Rede von der Menschenwrde
ist aus der Leidensgeschichte der Menschheit in der ersten Hlfte des 20. Jahrhunderts
erwachsen, wenngleich diese Rede mehr ist als ein Sinnangebot.12
Menschenwrde und In-vitro-Fertilisation 345
Die Menschenwrde ist die Beschreibung eines privilegierten Status des Menschen in
der Natur. Dieser privilegierte Status kann philosophisch mit dem Begriff 팤nimal rationale
oder theologisch mit dem Begriff 팱mago dei umschrieben werden. Fr die Menschenwrde
ist dies nicht konstitutiv. Sie lsst sich skular oder religis begrnden. Eine
religise Begrndung ist zwar tiefer, reicher und auch schner, weil sie den privilegierten
Status des Menschen mit seiner Herkunft und seiner transzendenten Zukunft verbindet.
Aber sie ist nicht zwingend, um ber die Menschenwrde zu reden. Eine skulare, an Kant
orientierte Begrndung ist keine Begrndung, die der religisen widerspricht oder religise
Wahrheiten in Frage stellt. Fr Kant ist allein der Mensch Person, d. h. Subjekt einer
moralisch-praktischen Vernunft, als solche ber allen Preis erhaben und Zweck an sich
selbst. Deshalb besitzt er Wrde. Sein privilegierter Status ist zugleich eine Verpflichtung.
Er hat die Menschenwrde gegen sich selbst und gegen andere zu achten. Er ist nicht nur
animal rationale, sondern auch animal morale.
Die Menschenwrde ist, wie in der Menschenrechtserklrung der Vereinten Nationen
1948, die Basis einer interkulturellen Verstndigung ber die Grundstze menschlichen
Zusammenlebens in der Gesellschaft, im Staat und in den internationalen Beziehungen.
Sie ist ein schlechthin erster Anfang, von dem alles andere ausgeht, 팫ine selbstevidente,
aus sich heraus einsichtige Wahrheit, [] ein hchstes Moral- und Rechtsprinzip, das sich
zwar auf eine biologische Eigenschaft bezieht, ohne selbst aber eine solche zu sein.13 Als
Moral- und Rechtsprinzip verlangt die Menschenwrde von jedem, jeden, der Menschenantlitz
trgt, also zur Gattung Mensch gehrt bzw. ein 팈emand und nicht ein 틿twas
ist, zu achten, ihn nicht 퍉um Objekt, zu einem bloen Mittel, zur vertretbaren
Gr秤e herabzuwrdigen.14 Sie verlangt, das Leben, die Freiheit und die Gleichheit des
Menschen zu respektieren. Leben, Freiheit und Gleichheit sind der Kern jener unverletzlichen
und unveruerlichen Menschenrechte, die das Grundgesetz in der Menschenwrde
begrndet. Insofern zeigen auch die Artikel 2 und 3 unserer Verfassung, dass das
Grundgesetz wohlkomponiert ist. Der Achtungspflicht entspricht eine Unterlassungspflicht,
alles zu vermeiden, was Leben, Freiheit und Gleichheit bedroht. Der Unterlassungspflicht
wiederum entspricht die Schutz- bzw. Interventionspflicht des Staates, die
Wrde des Menschen gegen Handlungen zu verteidigen, die Leben, Freiheit und Gleichheit
verletzen.
Die sich aus der Menschenwrde ergebende Achtungspflicht erstreckt sich auf den
Menschen in jeder Phase seines Lebens, mithin auch auf den Nasciturus. 팛o menschliches
Leben existiert, so das Bundesverfassungsgericht in seinem ersten Abtreibungsurteil
1975, 팳ommt ihm Menschenwrde zu; es ist nicht entscheidend, ob der Trger sich
dieser Wrde bewusst ist und sie selbst zu wahren wei. Die von Anfang an im menschlichen
Sein angelegten potentiellen Fhigkeiten gengen, um die Menschenwrde zu begrnden.
15 Dass die Menschenwrdegarantie auch dem Nasciturus zukommt, wird in der
Bioethikdebatte der vergangenen Jahre zunehmend bestritten. Der Zweck des Bestreitens
liegt auf der Hand. Wenn die Menschenwrdegarantie dem Nasciturus nicht zukommt,
hat die Forschung an und mit embryonalen Stammzellen freie Bahn. Doch die Argumente,
die fr diese Zweifel ins Feld gefhrt werden, sind wenig berzeugend. Dreier sieht in der
Ausweitung der Menschenwrdegarantie auf den Nasciturus 팫inen biologistisch-naturalistischen
Fehlschlu酸.16 Sieht man einmal davon ab, dass das mehr eine Keule als ein Argument
ist, so ist dem Vorwurf entgegenzuhalten, dass die Entwicklung einer befruchteten
Eizelle mit dem doppelten Chromosomensatz unleugbar die Entwicklung einer
346 Manfred Spieker
lebendigen Substanz ist, die von Anfang an das volle Lebensprogramm fr die Entwicklung
eines Menschen in sich trgt. Weder die Nidation noch die Geburt noch sonstige Zsuren
sind mit einer genetischen Nachbesserung verbunden. Deshalb ist 팪ie natrliche
Finalitt der befruchteten menschlichen Eizelle [] eine Vorgegebenheit des Rechts. Deshalb
steht der Embryo unter dem Schutz der Menschenwrdegarantie.17
Dies lsst sich auch nicht dadurch in Abrede stellen, dass die Menschenwrde an bestimmte
Kriterien gebunden wird, bei denen unterstellt wird, dass sie der Embryo nicht
erflle. Fr Volker Gerhardt und Wolfgang Kersting kommt dem Embryo keine Menschenwrde
zu, weil er noch 팳ein Diskurspartner sei18 bzw. nicht 팤ls gleichberechtigter
Partner in menschenrechtlich geregelten Gegenseitigkeitsverhltnissen betrachtet werden
knne.19 Fr Reinhard Merkel und Julian Nida-Rmelin kommt ihm die Menschenwrde
nicht zu, weil er noch empfindungsunfhig und damit subjektiv nicht verletzbar sei bzw.
in seiner Selbstachtung noch nicht beschdigt werden knne.20 Deshalb htten die therapeutischen
Ziele der Stammzellforschung moralisch mehr Gewicht als unsere Schutzpflichten.
21 Diese Kriteriensammlung zwingt zu dem fatalen Schluss, dass jeder Autor beansprucht,
das Menschsein und die Menschenwrde neu zu definieren und jeder frchten
muss, seinen Status als Person zu verlieren, weil er eine neu definierte Zulassungshrde
nicht berwindet.
Auch die Unterscheidung zwischen Individuen und 팵enschlichem Leben, die Dreier
ins Feld fhrt und die sich bei evangelischen Sozialethikern besonderer Beliebtheit erfreut,
22 hat nur den Zweck, Gterabwgungen vorzunehmen, die eine Forschung an embryonalen
Stammzellen ermglichen. Sie zwingt dazu, wie die Bundesjustizministerin dem
Uterus einen geradezu ontologischen Status zuzusprechen. Er gilt als der Ort der Menschwerdung,
der aus dem abstrakten menschlichen Leben einen werdenden Menschen
macht. Das volle Lebensprogramm fr die Entwicklung des Menschen liegt jedoch, wie
erwhnt, nicht erst mit der Nidation, sondern schon mit der befruchteten Eizelle vor.
Dass der Embryo unter dem Schutz der Menschenwrdegarantie steht, kann auch nicht
dadurch bestritten werden, dass auf die strafrechtlichen Abtreibungsregelungen und die
Widersprche vor allem im zweiten Abtreibungsurteil des Bundesverfassungsgerichts vom
28. Mai 1993 hingewiesen wird.23 Diese Widersprche sind nicht zu bestreiten.24Wenn das
Gericht einerseits, wie schon 1975, dem Nasciturus die Menschenwrdegarantie und das
Lebensrecht zuspricht, andererseits aber das Leben des Embryos in den ersten 12 Wochen
der Dispositionsfreiheit der Schwangeren anheim stellt und behauptet, dies sei mit Art. 1
I und 2 II GG vereinbar, dann hebt es damit nicht die Mastbe des Art. 1 I und 2 II GG
auf, sondern es wendet sie bei der Prfung des Beratungskonzepts falsch an. 팚on dieser
Unrichtigkeit der Subsumtion auf die Ungltigkeit der Mastbe rckschlieen zu wollen,
kommt [] einem juristischen salto mortale gleich. [] Ein Subsumtionsfehler, und sei
er noch so schwerwiegend, hebt nicht die Gltigkeit der Norm auf, unter die fehlerhaft
subsumiert worden ist.25
Wenn der Nasciturus aber unter die Menschenwrdegarantie fllt, muss sich die assistierte
Reproduktion einer Reihe von Fragen stellen, hinter denen der Zweifel steht, ob sie
selbst mit der Menschenwrdegarantie vereinbar ist. Seit der Geburt des ersten knstlich
erzeugten Kindes, des Mdchens Louise Brown 1978 in England, haben sich In-vitro-Fertilisation
und Intracytoplasmatische Spermieninjektion als 팗terilittstherapie durchgesetzt.
In Deutschland sind seit der ersten Geburt nach knstlicher Befruchtung 1982 in der
Erlanger Universittsklinik rund 100.000 Kinder auf diese Weise geboren worden. Im Jahr
Menschenwrde und In-vitro-Fertilisation 347
2002 waren es 7.652 bei 62.306 IVF/ICSI-Behandlungen in rund 110 Fertilisations- bzw.
팉inderwunsch-Zentren.26 Rund zwei Jahrzehnte gab es, sieht man von der katholischen
und der evangelischen Kirche sowie einigen feministisch orientierten Stimmen ab, so gut
wie keine In-Frage-Stellung der knstlichen Befruchtung. Dies hat sich mit der 2001 beginnenden
Bioethik-Debatte gendert. Zunehmend wird die In-vitro-Fertilisation als die
Quelle aller ethischen Probleme gesehen, vor denen Wissenschaft, Medizin und Politik stehen.
So ist sie fr die DFG der 팕ubikon, mit dessen berschreiten sich die Fortpflanzungsmedizin
in das Dilemma zwischen Lebensschutz und Forschungsfreiheit gebracht
habe.27 Fr Ernst-Ludwig Winnacker ist sie der 틾ammbruch, der uns die neuen ethischen
Dilemmata beschert habe.28 Wolfgang Frhwald gesteht, dass er mit seiner Kritik
am Kurswechsel der DFG auch die gesellschaftlich inzwischen vollkommen anerkannte
In-vitro-Fertilisation in Frage stelle.29 Der Ratsvorsitzende der EKD Wolfgang Huber sieht
in ihr die 팛eichenstellung, die die Gesellschaft zur Aufkndigung des Konsenses ber
die Schutzwrdigkeit der Schwchsten gefhrt habe, weshalb die Frage zu stellen sei, ob
die Entscheidung fr die In-vitro-Fertilisation 팤ls unumkehrbar gelten soll.30 Sein Vorgnger
Manfred Kock bekannte in einer Podiumsdiskussion mit dem damaligen nordrhein-
westflischen Ministerprsidenten Clement am 29. November 2001, es sei ein Fehler
der EKD gewesen, die In-vitro-Fertilisation zu akzeptieren,31 und Jrgen Rttgers
nannte sie den 팗ndenfall, dessen Folge todgeweihte Embryonen seien.32
Wie lsst sich der Zweifel an der Vereinbarkeit der assistierten Reproduktion mit der
Menschenwrdegarantie begrnden? Nicht alle Probleme, mit denen sich die Reproduktionsmedizin
auseinandersetzen muss, haben etwas mit der Menschenwrdegarantie zu
tun. Dass die Erfolgsquote der IVF- und ICSI-Behandlungen weit unter 20 Prozent liegt,
mithin hchstens jedes fnfte Paar dadurch zu einem Kind kommt, dass die Fertilisationsmediziner
mit gelungener Befruchtung und erzielter Schwangerschaft oft andere Erfolgskriterien
haben als die Eltern, fr die nur die Geburt eines Kindes, mithin die Babytake-
home-Rate relevant ist, dass die Fehlbildungsrate bei Kindern nach IVF und ICSI
deutlich hher ist als nach natrlicher Zeugung, was lange bestritten wurde, 2003 aber
selbst den Ethikrat von Bundeskanzler Schrder beschftigte,33 dass auch die Mehrlingsraten
mit entsprechenden Frhgeburten und Gesundheitsbelastungen deutlich hher liegen
und dass die Verfahren der assistierten Reproduktion ohne Prfung ihrer Wirkungsund
Schdigungspotentiale, also fahrlssiger als jedes Grippemedikament eingefhrt wurden,
all dies beschftigt zwar die Gynkologen, zum Teil auch die Politik, kollidiert m. E.
aber noch nicht mit der Menschenwrdegarantie.
Mit der Menschenwrde und der aus ihr abgeleiteten Pflicht, alles zu unterlassen, was
Leben, Freiheit und Gleichheit des Nasciturus existentiell bedroht, kollidiert aber eine
Reihe anderer Aspekte der Reproduktionsmedizin. Der offenkundigste, weil empirischer
Beobachtung am leichtesten zugngliche Versto ist der euphemistisch 팋ehrlingsreduktion
genannte Fetozid nach erfolgreicher Implantation mehrerer Embryonen. Er kommt
mindestens 150 mal jhrlich vor.34 틾a Mehrlinge ein erhhtes Risiko fr auffllige Befunde
haben, so die Deutsche Gesellschaft fr Gynkologie und Geburtshilfe (DGGG)
in einem Positionspapier zur Prnataldiagnostik vom Sommer 2004, 팳ann sich mitunter
eine medizinische Indikation fr den Schwangerschaftsabbruch eines Mehrlings ergeben.
Hierbei wird einerseits der Fetozid eines Mehrlings beabsichtigt und die Fortfhrung der
Schwangerschaft andererseits gewnscht.35 Die Reproduktionsmedizin spielt mit dem Leben
des knstlich erzeugten Kindes. Der Transfer von mehreren Embryonen in die Ge-
348 Manfred Spieker
brmutter in Deutschland sind nach 1, Abs. 1, Ziffer 3 des Embryonenschutzgesetzes
vom 13. Dezember 1990 hchstens drei zugelassen soll die Chance auf Schwangerschaft
und Geburt erhhen, birgt aber zugleich das tdliche Risiko der 팋ehrlingsreduktion,
fr die die Arbeitsgruppe der DGGG, die das Positionspapier zur Prnataldiagnostik ausgearbeitet
hat, die medizinische Indikation des 218a heranziehen zu knnen glaubt.
Auch die Kryokonservierung von Embryonen, die in Deutschland zwar verboten, im
Rahmen der assistierten Reproduktion aber in mehreren Lndern praktiziert wird,36 verst秤t
gegen die Menschenwrde des Nasciturus. Die kryokonservierten Embryonen werden
erzeugt fr den Fall, dass ein weiterer Embryotransfer notwendig werden sollte, weil
der erste erfolglos war. Die Frage, wohin mit den kryokonservierten Embryonen, wenn
die Eltern sie nicht mehr brauchen oder das Interesse an ihnen verloren haben, strzt die
Reproduktionsmedizin und die Eltern in ein unlsbares Dilemma. Sie haben die Wahl zwischen
Ttung und Nutzbarmachung fr die embryonale Stammzellforschung. Beides verst秤t
gleichermaen gegen die Menschenwrde. Schon 팪ie Dauerexistenz des Embryos
im Tiefkhlfach, aus der es kein Entrinnen gibt, ist menschenunwrdig.37 Werden die
Embryonen der Stammzellforschung zur Verfgung gestellt, mithin um der Forschung
willen gettet, wird allzu manifest, dass sie nicht als 팈emand geachtet, sondern als 틿twas
behandelt, als Rohstoff verwertet werden. Sie werden genutzt, wie bis ins 19. Jahrhundert
Sklaven genutzt wurden, die freilich mehr Rechte hatten als die so genannten
berzhligen Embryonen. Wird die Nutzung fr die Forschung verhindert und dem 팗terbenlassen
der Vorrang gegeben, muss freilich in Rechnung gestellt werden, dass sie von
allein nicht sterben. Man muss sie schon tten. Die Alternative Versklaven oder Tten verst秤t
gegen die Wrde nicht nur des Embryos, sondern auch der Mediziner und der Eltern.
Die Lage fr die Eltern ist geradezu dramatisch. Die In-vitro-Fertilisation zwingt sie zu
paradoxen Entscheidungen. Sie wollen ein Kind, entschlieen sich aber bei der Mehrlingsreduktion
gleichzeitig, ein Kind oder mehrere tten zu lassen, eine Beziehung zwischen
Geschwistern zu zerstren und dem berlebenden Mehrling ein Heranwachsen an
der Seite des getteten Bruders bzw. der getteten Schwester zuzumuten bleibt der gettete
Mehrling doch bis zur Geburt des lebenden in der Gebrmutter. Im Positionspapier
der DGGG heit es dazu nur, es sei 퍉u bedenken, dass der verbleibende Mehrling in seiner
Entwicklung nach dem Fetozid gefhrdet sein kann.38 Damit ist zunchst seine physische
Gefhrdung gemeint. Angesichts der lngst popularisierten Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie
und insbesondere der prnatalen Psychologie ber die Einflsse
psychischer und sozialer Faktoren auf die Entwicklung des Embryos39 sollte es aber sehr
verwundern, wenn der Fetozid nicht auch fr das verbleibende Kind eine unverantwortliche
Hypothek ist. Auch die Mutter bringt er in eine geradezu schizophrene Situation. Ihr
Kinderwunsch geht in Erfllung um den Preis einer Kindsttung. Der Erfolg der In-vitro-
Fertilisation wird erkauft mit der psychischen Destabilisierung der Mutter. Das Positionspapier
der DGGG umgeht das Problem nicht, wird ihm aber m. E. weder in der Beschreibung
noch in den Lsungsvorschlgen gerecht. 틾as innere Erleben der Mutter wird
von der Schwangerschaft bestimmt, die partiell abgebrochen wird, aber partiell auch fr
die Geburt bestimmt ist. Aus diesen Grnden sind das rztliche Gesprch, das Angebot
einer unabhngigen psychosozialen Beratung sowie eine mgliche interdisziplinre Beratung
unter Hinzuziehung zustzlicher 훣zte entsprechender Fachgebiete notwendig.40
Menschenwrde und In-vitro-Fertilisation 349
Doch welcher Arzt und welcher Psychologe knnte das der In-vitro-Fertilisation immanente
Dilemma zwischen Kinderwunsch und Kinderttung auflsen?
Zur Reduzierung der Mehrlingsraten und gleichzeitig zur Steigerung der Erfolgsraten
der assistierten Reproduktion schlagen Reproduktionsmediziner, allen voran der Prsident
der DGGG, Klaus Diedrich, immer wieder die Primplantationsdiagnostik vor. Sie ermgliche
die Selektion von Embryonen nicht nur mit genetischen Defekten, sondern auch
mit erhhten Nidationschancen. Sie ist in Deutschland verboten, da das Embryonenschutzgesetz
nach 1, Abs. 1, Ziffer 2 die knstliche Befruchtung nur zum Zwecke der
Herbeifhrung einer Schwangerschaft zulsst. Eine Diagnostik vor der Implantation
wrde fr ihre Testverfahren die Herstellung einer wesentlich gr秤eren Zahl von Embryonen
erfordern als die In-vitro-Fertilisation.40a Die Primplantationsdiagnostik bedeutet somit
Herstellung von Embryonen auf Probe. Sie bedeutet gleichzeitig die Selektion all jener
Embryonen, die nicht fr eine Implantation in Frage kommen und die dem Schicksal
der verwaisten, kryokonservierten Embryonen entgegensehen: Tod oder Sklaverei oder
beides in den Labors der embryonalen Stammzellforschung. Sie werden 퍉um Objekt, zu
einem bloen Mittel, zur vertretbaren Gr秤e (Drig) degradiert. Mit der Menschenwrde
und den daraus resultierenden Unterlassungspflichten ist beides gleichermaen unvereinbar.
41
Wre die In-vitro-Fertilisation mit der Menschenwrdegarantie vereinbar, wenn die
Probleme des Fetozids, der Mehrlingsraten und der berzhligen, kryokonservierten Embryonen
gelst wren, wenn nur noch ein oder zwei Eier befruchtet und ein oder zwei Embryonen
transferiert wrden? Es gibt Reproduktionsmediziner, fr die ein Fetozid oder die
Kryokonservierung von Embryonen nicht in Frage kommt und die ihren Patientinnen
hchstens zwei Embryonen einpflanzen. Sind damit die Probleme gelst oder gibt es
Grnde fr eine Unvereinbarkeit von In-vitro-Fertilisation und Menschenwrdegarantie,
die diesen Problemen vorausliegen? Es gibt solche Grnde sowohl aus der Perspektive
der Eltern als auch der des Kindes. Die menschliche Fortpflanzung ist wesentlich mehr als
ein technisches Verfahren. Sie ist die Frucht einer geschlechtlichen Vereinigung, in der
Mann und Frau mehr sind als Gametenspender oder Rohstofflieferanten. Auch das Kind
ist mehr als das Produkt einer technischen Vernunft, das ein im Qualittsmanagement erfahrener
Reproduktionsmediziner in seinem nach ISO 9001 zertifizierten Labor herstellt.42
Es ist auch mehr als das Resultat einer Willensentscheidung seiner Eltern und/oder des
Reproduktionsmediziners.
Die menschliche Fortpflanzung ist ein integraler Bestandteil der menschlichen Sexualitt.
Die Vereinigung von Mann und Frau ist nicht nur ein physiologischer Vorgang. Sie
ist eine gegenseitige Hingabe und bereignung, die den Leib und die Seele umfasst. Sie
ist eine kommunikative Praxis, nicht ein Machen oder Herstellen. Die leib-seelische Einheit
der Vereinigung und des Zeugungsgeschehens geht durch die IVF verloren. Schon
1985 hat die EKD in einer heute weithin vergessenen 팆andreichung zur ethischen Urteilsbildung
auf die Interdependenzen physischer und psychischer Vorgnge in Zeugung,
Schwangerschaft und Geburt hingewiesen und vor dem Verlust der leib-seelischen Ganzheit
des Zeugungsvorganges durch die IVF gewarnt.43 Dies gilt in verstrktem Mae fr
die heterologe IVF und die Leihmutterschaft, aber es gilt auch fr die homologe IVF. Die
katholische Kirche verteidigt in der Erklrung der Glaubenskongregation 틾onum Vitae
(1987) den ehelichen Liebesakt in seiner leib-seelischen Ganzheit als den einzigen legitimen
Ort, der der menschlichen Fortpflanzung wrdig ist. Die Eheleute htten das Recht
350 Manfred Spieker
und die Pflicht, 팪a der eine nur durch den anderen Vater oder Mutter wird.44 Die Fortpflanzung
werde ihrer eigenen Vollkommenheit beraubt, wenn sie nicht als Frucht des ehelichen
Liebesaktes, sondern als Produkt eines technischen Eingriffs angestrebt werde.
Mit der Verteidigung der Sexualitt und des ehelichen Liebesaktes als einer leib-seelischen
Einheit bringen die Kirchen zum Ausdruck, dass es eine Wrde der menschlichen
Fortpflanzung gibt, die gewiss vielfach missachtet wird, nicht nur in der IVF die aber
dennoch eine Voraussetzung gelingenden Lebens ist. Die EKD spricht von der 팛rde
werdenden Lebens, die katholische Kirche von der 팛rde der Fortpflanzung. Die
Menschenwrde und die aus ihr abgeleitete Pflicht, den anderen Menschen nicht ausschlielich
als Instrument zur Erfllung des Kinderwunsches zu benutzen, gebieten
eine Form der Fortpflanzung, in dem sich Mann und Frau als Personen begegnen und im
biblischen Sinne 팫rkennen. Sie gebieten, in Zeugung und Schwangerschaft nicht nur
technische Vorgnge, sondern anthropologische Grundbefindlichkeiten zu sehen.45
Indirekt besttigt wird die Position der Kirchen durch zahlreiche kritische Berichte von
Frauen, die sich einer IVF- oder ICSI-Behandlung unterzogen und die Verfahren der Hormonstimulation,
der Follikelpunktion, der Befruchtung im Labor und der Implantation als
Verletzung ihrer Wrde empfunden haben,46 aber auch durch feministisch orientierte wissenschaftliche
Untersuchungen, die einerseits diese Eindrcke Betroffener besttigen, andererseits
aber auch die Marginalisierung des Vaters in einer IVF- oder ICSI-Behandlung
problematisieren.47 Auch die Scheidungsrate, die bei Paaren, die sich einer IVF-Behandlung
unterzogen, mehr als doppelt so hoch liegt wie bei anderen Ehepaaren, signalisiert
ein Problem.48 Die IVF scheint der Beziehung ungewollt kinderloser Paare eher zu schaden
als zu helfen. Gewiss mag auch die Kinderlosigkeit selbst schon zu einer erhhten
Scheidungsrate beitragen. Dass die IVF zur Festigung der Beziehung beitrgt, ist aber eine
Illusion. Dass Eltern, die unter der Kinderlosigkeit leiden, das Problem auch auf andere,
adquatere Weise lsen knnen, zeigen die Ergebnisse der psychologischen Paartherapie
bei langjhrig ungewollt kinderlosen Paaren, deren Erfolgsraten ber denen der assistierten
Reproduktion liegen.49
Welche Grnde sprechen aus der Perspektive des Kindes gegen die IVF? Es ist von seinen
Eltern gewnscht. Das unterscheidet es nicht von den meisten natrlich gezeugten
Kindern. Aber es ist im Unterschied zu diesen nicht die Frucht des ehelichen Liebesaktes,
die zwar erhofft, aber nie gemacht werden kann, sondern es ist das Produkt des Fortpflanzungsingenieurs
und des Willens der sich ihm anvertrauenden Eltern. Kant wrde sagen,
es ist ihr 팄emchsel. Es verdankt seine Entstehung einem technischen Verfgungsund
Herrschaftswissen, einer 팱nstrumentellen Vernunft (M. Horkheimer), die schon
Aristoteles als Poiesis deutlich von der Praxis als dem richtigen Handeln des Menschen
im Hinblick auf sein letztes Ziel unterschieden hat.50 Als 팄emchsel aber befindet sich
der Mensch in einer existentiellen Abhngigkeit von denen, die ihn machen, nicht erst
dann, wenn er deren Erwartungen nicht erfllt. Der Beginn seiner Existenz steht unter dem
Vorbehalt des Willens seiner Eltern und des Wissens des Fortpflanzungsingenieurs. Dies
gilt fr jede IVF-Behandlung, also nicht erst fr jene, die mit einer PID verbunden wird,
mittels der der Embryo einem Qualittscheck unterzogen, nach bestimmten Merkmalen
ausgewhlt, fr bestimmte therapeutische Zwecke erzeugt oder mittels einer Gentherapie
programmiert wird. Diese bedingte Existenz widerspricht der Symmetrie der Beziehungen,
die eine wesentliche Voraussetzung fr interpersonale Beziehungen und fr den egalitren
Umgang von Personen ist.51 Sie widerspricht seiner fundamentalen Gleichheit als
Menschenwrde und In-vitro-Fertilisation 351
Mensch wie auch seiner Freiheit. Sie verletzt auch das Prinzip der Gerechtigkeit, das sich
in der Goldenen Regel niederschlgt, denn jeder will von den anderen anerkannt werden,
팶icht weil seine Existenz einem Wunsch oder Gefallen dieser anderen entspricht, []
sondern [] aufgrund seiner bloen Existenz.52 Damit verletzt die IVF die Menschenwrdegarantie,
auch wenn der knstlich erzeugte Mensch nach seiner Nidation zum geliebten
Kind seiner Eltern wird, sich normal entwickelt, geboren wird und als Mitbrger
die gleichen Rechte und Pflichten hat wie jeder andere.
Kann man dem Kind das Recht zusprechen, auf natrliche Weise gezeugt und nicht im
Labor eines 팉inderwunsch-Zentrums erzeugt zu werden? Selbst wenn man einen derartigen
Rechtsanspruch verneint mit der Begrndung, niemand knne vor seinem Dasein
ein subjektives Recht geltend machen, so lassen sich aus der Menschenwrdegarantie, die
jedem Menschen von Beginn seiner Existenz an zukommt, doch Pflichten fr die Eltern
ableiten, die nicht erst mit der Geburt oder der Nidation des Kindes einsetzen, sondern
bereits seine Zeugung betreffen. Die erste Pflicht der Eltern ist die, das Kind vom ersten
Augenblick seiner Existenz an als Person zu achten. Es ist weder ihr Produkt noch ihr Eigentum.
Dem entspricht ein Recht des Kindes, von der Empfngnis an als Person geachtet
zu werden. Es ist Rechtssubjekt. Es hat ein Recht, seine Existenz auf Grund einer menschenwrdigen
Empfngnis zu beginnen, mithin nicht als Chimre, Hybride, Klon oder
zertifiziertes Laborprodukt ins Leben zu treten. Es hat das Recht, 팪ie Frucht des spezifischen
Aktes der ehelichen Hingabe seiner Eltern zu sein.53 Diese Verteidigung des Geschlechtsaktes
seitens der katholischen Kirche ist zugleich eine Verteidigung der Wrde
des Kindes. Sie findet zunehmend Besttigung in feministischen Kreisen. Theresia Maria
de Jong schliet ihr Buch 틼abys aus dem Labor. Segen oder Fluch? mit einem Pldoyer
fr 팪as Recht des Kindes auf eine natrliche Empfngnis.54 Es sei an der Zeit, dass die
ffentlichkeit merkt, dass die Herstellung von Kindern nicht wirklich im Interesse der
Frauen, der so entstandenen Kinder und ihrer Vter ist. Vor dem Landgericht Essen findet
z. Zt. der erste Prozess wegen Gesundheitsschdigung durch eine IVF-Behandlung gegen
das Reproduktionsmedizinische Zentrum der 훣zte Katzorke, Propping und Wilms
statt. Ob er dazu beitrgt, die Reproduktionsmedizin in Frage zu stellen, wird erst das Urteil
zeigen. Die Klage ist aber bereits verdienstvoll, weil sie der resignierenden Ansicht vorbeugt,
die Entwicklung der Reproduktionsmedizin sei unaufhaltsam.
Die In-vitro-Fertilisation hat das Tor geffnet fr die Primplantationsdiagnostik, den
Qualittscheck der Embryonen und damit fr die Zertifizierung der Zeugung. Der Weg
vom zertifizierten Qualittsmanagement des reproduktionsmedizinischen Zentrums zum
Qualittsmanagement seines Produkts ist konsequent. Dass die Primplantationsdiagnostik
nicht auf die vielzitierten 100 tragischen Flle von Embryonen mit bestimmten genetischen
Anomalien zu begrenzen ist, sondern der Produktion von Embryonen mit den jeweils
von Eltern oder Reproduktionsmedizinern gewnschten Merkmalen dient, hat nach
der Enquetekommission des 14. Deutschen Bundestages 팕echt und Ethik der modernen
Medizin und dem Ethikrat von Bundeskanzler Schrder im Sommer 2004 auch der
Ausschuss fr Bildung, Forschung und Technikfolgenabschtzung des Bundestages festgestellt.
55 Die Primplantationsdiagnostik ist die logische Konsequenz der In-vitro-Fertilisation
und die Genmanipulation ist die logische Konsequenz der Primplantationsdiagnostik.
팛enn die Medizin dazu bergeht, Wnsche zu behandeln statt Krankheiten, gibt
es dann noch einen Grund, warum 훣zte sich struben sollten, auf die Wnsche von El-
352 Manfred Spieker
tern einzugehen, die lieber ein Mdchen mchten als einen Jungen, lieber ein blondes Kind
als ein rothaariges, lieber ein Genie als einen Trottel?56
Wir sind, warnt Francis Fukuyama, auf einem Weg in eine 팺osthumane Zukunft. Eines
Tages befinden wir uns 팤uf der anderen Seite der Wasserscheide zwischen humaner
und posthumaner Geschichte und haben nicht einmal bemerkt, 퍆ie wir den Kamm
berschritten haben.57 Der Kamm, das ist die Trennung von Zeugung und Geschlechtsakt.
Diese Trennung von Zeugung und Geschlechtsakt ist Thema von Zukunftsromanen.
In George Orwells 1984, 1949 erstmals verffentlicht, gibt es keine ehelichen Beziehungen
mehr und 팪ie Zeugung wird eine alljhrlich vorgenommene Formalitt wie die
Erneuerung einer Lebensmittelkarte,58 und in Aldous Huxleys schner neuer Welt werden
die Alpha-, Beta-, Gamma- und Epsilonmenschen ausnahmslos in der Brut- und
Normzentrale der Hauptstadt in Flaschen erzeugt und fr ihre jeweilige Herrschafts- und
Dienstklasse programmiert. Nur in einem Reservat im wilden Westen Amerikas leben
noch Ureinwohner aus den 팣eiten roher Fortpflanzung, die am Lebendgebren festhalten.
Die Grenze des Reservats trennt die Zivilisation von der Barbarei.59 Die Trennung von
Zeugung und Geschlechtsakt ist aber nicht nur Gegenstand literarischer Horrorszenarien,
sondern auch Thema medizinischer Lehrbcher, und sie gilt dort ganz und gar nicht als
Schreckensvision, sondern als Fortschritt. So begeistert sich Christian Lauritzen in seinem
Geleitwort zu einem reproduktionsmedizinischen Standardwerk fr die Trennung von
Fortpflanzung und Sexualitt und die Mitwirkung der Gynkologen bei der Zeugung neuer
Menschen. Die In-vitro-Fertilisation sei ein 팫pochaler Fortschritt, weil der Frauenarzt
durch sie nicht 팶ur Geburtshelfer sei, sondern 팪irekt beim Vorgang der Zeugung
mit(wirkt) und sie 팶ach auerhalb des Mutterleibs verlegt. Jetzt sei 팶icht einmal mehr
ein Geschlechtsakt ntig, um eine Befruchtung zu erzielen.60
Wenn diese Verblendung weder durch eine selbstkritische Medizin noch durch
Schadenersatzprozesse aufzubrechen ist, dann ist die Politik gefordert. Sie hat die Reproduktionsmedizin
um der Menschenwrde willen zu kontrollieren, die Primplantationsdiagnostik
und das Klonen in jeder Form zu verbieten und der so genannten Reproduktionsfreiheit
Grenzen zu setzen. Der italienische Gesetzgeber ist in einer Reform seines
Reproduktionsmedizingesetzes 2004 dieser Kontrollaufgabe nachgekommen und hat z. B.
vorgeschrieben, dass eine Frau vor einer IVF-Behandlung alle anderen therapeutischen
Mglichkeiten ausgeschpft haben muss. Die verbreitete Ansicht, der technische Fortschritt
liee sich nicht aufhalten oder nationale Regeln seien angesichts der Globalisierung
ineffizient, nach Fukuyama das gr秤te Hindernis bei der humanen Regulierung der Biotechnologie,
61 ist berwindbar, wie nicht nur das italienische Beispiel zeigt. Auch Wolfgang
Huber hat schon 2001 bei seiner Infragestellung der In-vitro-Fertilisation auf das Beispiel
der Kernenergie verwiesen, um deutlich zu machen, dass auch bei groen Technologien
neue Erkenntnisse und Revisionen mglich sind. Kardinal Lehmann hat am Ende seines
Vortrages zu Problemen der Bioethik vor der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
am 28. September 2001 angekndigt: 팄erne wre ich in diesem Zusammenhang
auch noch auf die knstliche Retortenbefruchtung und die In-vitro-Fertilisation
eingegangen. Aber dies ist hier nicht mglich. Ich msste erneut auf das erst heute
in seiner Weisheit und prophetischen Kraft erkennbare Dokument 쌖onum Vitae zurckkommen.
Dies soll einer anderen Gelegenheit vorbehalten bleiben.62 Die Wortmeldungen
von Bischof Huber und Kardinal Lehmann fordern zum berdenken einer Praxis
auf, an die sich unsere Gesellschaft inzwischen gewhnt hat. Wer ber den Rubikon
Menschenwrde und In-vitro-Fertilisation 353
der In-vitro-Fertilisation gegangen ist, muss nicht ins Reich der Primplantationsdiagnostik,
der Stammzellforschung, des Klonens und der Zertifizierung der Zeugung weitermarschieren.
Er kann auch umkehren. Die Menschenwrde gebietet eine solche Umkehr.
ANMERKUNGEN
* Vortrag bei der Generalversammlung der Grres-Gesellschaft am 27. September 2004 in Osnabrck.
1 JOHANNES MESSNER, Das Naturrecht, Innsbruck 61966, 42.
2 NORBERT HOERSTER, Ethik des Embryonenschutzes, Stuttgart 2002, 20 ff.
3 ERHARD DENNINGER, Embryo und Grundgesetz. Schutz des Lebens und der Menschenwrde vor Nidation
und Geburt, in: Kritische Vierteljahresschrift fr Gesetzgebung und Rechtswissenschaft
2003, 203.
4 MATTHIAS HERDEGEN in Maunz-Drig, Kommentar zum Grundgesetz, Art. 1, I, Rdnr. 30 und
Rdnrn. 79109.
5 BRIGITTE ZYPRIES, Vom Zeugen zum Erzeugen. Verfassungsrechtliche und rechtspolitische Fragen
der Bioethik, Vortrag an der Humboldt-Universitt Berlin am 29.10.2003, Manuskript S. 6
[http://www.bmj.de].
6 ERNST-WOLFGANG BCKENFRDE, Die Wrde des Menschen war unantastbar, in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung vom 03.09.2003.
7 ROBERT SPAEMANN, Personen. Versuche ber den Unterschied zwischen 쌷twas und 쌼emand, Stuttgart
1996, 26.
8 JOHANNES REITER, Menschenwrde als Mastab, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 23
24/2004, 8.
9 CHRISTIAN HILLGRUBER, Die Wrde des Menschen pass? Verfassungsrechtliche Anmerkungen zur
bioethischen Debatte, in: Salzkrner vom 05.07.2004, 4; ERNST-WOLFGANG BCKENFRDE, Menschenwrde
als normatives Prinzip, Die Grundrechte in der bioethischen Debatte, in: Juristen-Zeitung,
58 (2003) 810.
10 HILLGRUBER (wie Anm. 9).
11 KONRAD ADENAUER, Reden 19171967, hrsg. von Hans-Peter Schwarz, Stuttgart 1975, 86 f.
12 REITER (wie Anm. 8), 8.
13 OTFRIED HFFE, Menschenwrde als ethisches Prinzip, in: ders./L. Honnefelder/J. Isensee/
J. Kirchhof, Gentechnik und Menschenwrde. An den Grenzen von Ethik und Recht, Kln 2002,
114 f.
14 GNTER DRIG, Der Grundrechtssatz von der Menschenwrde, in: Archiv des ffentlichen Rechts,
Bd. 81. (1956) 127.
15 BVerfGE 39, 1 ff (41).
16 HORST DREIER, Grundgesetz. Kommentar, Tbingen 22004, Art. 1I, Rdnr 66.
17 CHRISTIAN STARCK, Hrt auf, unser Grundgesetz zerreden zu wollen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
vom 30.05.2001; DERS., Verfassungsrechtliche Grenzen der Biowissenschaft und Fortpflanzungsmedizin,
in: Juristen-Zeitung, 57 (2002) 1065 ff und DERS., Menschenwrde von Anfang an: Der Embryo
ist ein Wer, kein Was, in: Die Welt vom 01.11.2003.
18 VOLKER GERHARDT, Der Embryo ist kein Diskurspartner. Interview, in: Die Welt vom 05.07.2001.
19 WOLFGANG KERSTING, Hantiert, wenn es euch frei macht, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom
17.03.2001.
20 JULIAN NIDA-RMELIN, Wo die Menschenwrde beginnt, in: Der Tagesspiegel vom 03.01.2001.
21 REINHARD MERKEL, Die Abtreibungsfalle, in: Die Zeit vom 13.06.2001; DERS., Rechte fr Embryonen?,
in: Christian Geyer (Hrsg.), Biopolitik. Die Positionen, Frankfurt a.M. 2001, 64.
22 DREIER (wie Anm. 16), Rdnr. 66; Pluralismus als Markenzeichen. Eine Stellungnahme evangelischer
Ethiker zur Debatte um die Embryonenforschung, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom
23.01.2002. Zu weiteren Stellungnahmen evangelischer Ethiker vgl. M. SPIEKER, Zwischen Forschungsfreiheit
und Embryonenschutz. Kontroversen in der Bioethik, in: Rainer Beckmann/Mechthild
Lhr (Hrsg.), Der Status des Embryos. Medizin Ethik Recht, Wrzburg 2003, 43.
354 Manfred Spieker
23 JRN IPSEN, Der 퍃erfassungsrechtliche Status des Embryos in vitro, in: Juristen-Zeitung, 56 (2001)
991 f; DERS., Zur Zukunft der Embryonenforschung, in: Neue Juristische Wochenschrift, 57 (2004)
268 ff.
24 Vgl. MANFRED SPIEKER, Kirche und Abtreibung in Deutschland, Paderborn 2000, 74 ff; DERS., Licht
und Schatten eines Urteils. Zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu 218 vom 28.05.1993,
in: Hans Thomas/Winfried Kluth (Hrsg.), Das zumutbare Kind. Die zweite Bonner Fristenregelung
vor dem Bundesverfassungsgericht, Herford 1993, 317324.
25 CHR. HILLGRUBER, Zehn Jahre zweites Abtreibungsurteil Bilanz und Ausblick, in: Zeitschrift fr
Lebensrecht, 12 (2003) 48.
26 Deutsches IVF-Register 2002, 9.
27 DEUTSCHE FORSCHUNGSGEMEINSCHAFT, Empfehlungen zur Forschung mit menschlichen Stammzellen
vom 03.05.2001, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11.05.2001, Ziffer 9.2 und 14.
28 ERNST-LUDWIG WINNACKER, Wir wollen keine Menschen zchten. Interview, in: Christian Geyer
(Hrsg.), Biopolitik. Die Positionen, Frankfurt a.M. 2001, 103.
29 WOLFGANG FRHWALD, Der 팷ptimale Mensch. ber Genetik, Forschungsfreiheit, Menschenbild
und die Zukunft der Wissenschaft, in: Forschung und Lehre, 8 (2002) 403.
30 WOLFGANG HUBER, Wir stehen nicht erst am Anfang der Diskussion, in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung vom 09.08.2002.
31 Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 01.12.2001.
32 JRGEN RTTGERS, Politik und Moral, in: Chancen nutzen, Werte achten. Recht und Grenze des gentechnischen
Fortschritts, hrsg. von der CDU-Landtagsfraktion NRW, Dsseldorf 2001, 10.
33 NATIONALER ETHIKRAT, Genetische Diagnostik vor und whrend der Schwangerschaft, Stellungnahme
vom Januar 2003, 75.
34 KLAUS DIEDRICH, Erst befruchten, dann abtreiben. Der berzogene deutsche Embryonenschutz erhht
die Zahl der Schwangerschaftsabbrche, in: Die Welt vom 11.10.2004.
35 DEUTSCHE GESELLSCHAFT FR GYN횷OLOGIE UND GEBURTSHILFE (DGGG), Prnataldiagnostik
Beratung und mglicher Schwangerschaftsabbruch, Positionspapier 2004, 18.
36 Weltweit ist von 100.000 bis 250.000 Embryonen die Rede.
37 CHR. HILLGRUBER, Recht und Ethik vor der Herausforderung der Fortpflanzungsmedizin und 퍃erbrauchender
Embryonenforschung, in: Heinrich de Wall/Michael Germann (Hrsg.), Brgerliche
Freiheit und christliche Verantwortung, Festschrift fr Christoph Link, Tbingen 2003, 639.
38 DGGG (wie Anm. 35), 18.
39 Vgl. M. COLE/S. R. COLE, The development of Children, New York 2002, 90 ff; WERNER GROSS,
Was erlebt ein Kind im Mutterleib? Ergebnisse und Folgerungen der prnatalen Psychologie, Freiburg
i. Br. 32003, 182 f.
40 DGGG (wie Anm. 35), 18.
40a K. DIEDRICH/MICHAEL LUDWIG, berblick ber die medizinischen Aspekte der Reproduktionsmedizin,
in: Fortpflanzungsmedizin in Deutschland, Wissenschaftliches Symposion des Bundesministeriums
fr Gesundheit vom 24.26.05.2000 in Berlin, Baden-Baden 2001, 34 f.
41 Vgl. auch BCKENFRDE (wie Anm. 9), 814 und HILLGRUBER (wie Anm. 37), 643.
42 Vom ersten nach ISO 9001 zertifizierten IVF-Zentrum an der Universittsfrauenklinik Freiburg
berichtet MARTIN SPIEWAK, Wie weit gehen wir fr ein Kind? Im Labyrinth der Fortpflanzungsmedizin,
Frankfurt a.M. 2002, 77.
43 Von der Wrde werdenden Lebens. Extrakorporale Befruchtung, Fremdschwangerschaft und genetische
Beratung. Eine Handreichung der EKD zur ethischen Urteilsbildung, Hannover 1985, Ziffer 2.7.
44 Kongregation fr die Glaubenslehre, Instruktion ber die Achtung vor dem beginnenden
menschlichen Leben und die Wrde der Fortpflanzung 틾onum Vitae vom 10.03.1987, II. 1 und II. 4.
45 Vgl. auch R. SPAEMANN, Kommentar zu 틾onum Vitae, in: Die Unantastbarkeit des menschlichen
Lebens. Zu ethischen Fragen der Biomedizin, Freiburg 1987, 91 f.
46 MAGDA TELUS, Trauma statt Baby, in: Gen-ethischer Informationsdienst Nr. 139 (April/Mai 2000),
21 ff; INA ZUBER-JERGER, Zu hohe Risikobereitschaft, in: Deutsches 훣zteblatt, 99 (2002) A-617 ff.
47 ELKE BARBIAN/GISELIND BERG, Die Technisierung der Zeugung. Die Entwicklung der In-vitro-Fertilisation
in der Bundesrepublik Deutschland, Pfaffenweiler 1997, S. 76f.
48 THERESIA MARIA DE JONG, Babys aus dem Labor. Segen oder Fluch?, Weinheim 2002, 17; SPAEMANN
(wie Anm. 45), 94.
Menschenwrde und In-vitro-Fertilisation 355
49 CHRISTINA HLZLE u. a., Lsungsorientierte Paarberatung mit ungewollt kinderlosen Paaren, in: B.
Strau (Hrsg.), Ungewollte Kinderlosigkeit, Psychologische Diagnostik, Beratung und Therapie,
Gttingen 2000, 170. Vgl. auch DE JONG (wie Anm. 48), 202 ff.
50 MARTIN RHONHEIMER, Die Instrumentalisierung des menschlichen Lebens. Ethische Erwgungen zur
In-vitro-Fertilisierung, in: Franz Bydlinski/Theo Mayer-Maly (Hrsg.), Fortpflanzungsmedizin und
Lebensschutz, Innsbruck 1993, 52; WALTER MIXA, Zur Frage der moralischen Legitimitt der IVF,
in: Imago Hominis. Quartalsschrift fr medizinische Anthropologie und Bioethik, 9 (2002) 238
und 242.
51 JRGEN HABERMAS, Die Zukunft der menschlichen Natur. Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik?,
Frankfurt a.M. 2001, 62.
52 RHONHEIMER (wie Anm. 50), 54 f.
53 Donum Vitae, (wie Anm. 44), II. 8.
54 DE JONG (wie Anm. 48), 224.
55 Bundestagsdrucksache 15/3500. Vgl. auch STEFAN REHDER, PID: Begrenzung unmglich, in: Die
Tagespost vom 20.07.2004.
56 SPIEWAK (wie Anm. 42), 64. Spiewak zitiert hier den amerikanischen Theologen Paul Ramsey.
57 FRANCIS FUKUYAMA, Das Ende des Menschen, Stuttgart 2002, 147.
58 GEORGE ORWELL, 1984, Mnchen 372003, 246.
59 ALDOUS HUXLEY, Schne neue Welt, Frankfurt a.M. 612003, 39 f und 112.
60 CHRISTIAN LAURITZEN, Geleitwort, in: H.-R. Tinneberg/C. Ottmar (Hrsg.), Moderne Fortpflanzungsmedizin,
Stuttgart/New York 1995, VI.
61 FUKUYAMA (wie Anm. 57), 26 und 260.
62 KARL LEHMANN, Das Recht, ein Mensch zu sein. Zur Grundfrage der gegenwrtigen bioethischen Probleme,
Erffnungsreferat bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am
28.09.2001 in Fulda, Manuskript Seite 20.
356 Manfred Spieker




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