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Max Weber
Max Weber: Sein Leben


Max Weber, der Begründer der deutschen Soziologie, wird am 21. April 1864 als Sohn des nationalliberalen Politikers und späteren Abgeordneten Dr. Max Weber sen. in Erfurt geboren. Die nationalliberale Haltung des Elternhauses prägt ihn ein Leben lang.

Von 1882 bis 1885 studiert er (mit Militärzeit-Unterbrechung) Jura in Heidelberg und Berlin.

Im Jahr 1888 tritt Max Weber dem Verein für Socialpolitik bei, den er später wesentlich prägen sollte. 1989 wird Weber magna cum laude promoviert, 1891 habilitiert.

Im Jahr 1892 veröffentlicht er seine erste Erhebung über die Lage der ostelbischen Landarbeiter. Dieses Thema wird ihn noch öfter beschäftigen. In seinen Ausarbeitungen fordert Weber eine Schließung der deutschen Ostgrenzen gegen das Eindringen polnischer Arbeiter. Gesunde Bevölkerungsverhältnisse, speziell im bedrohten Osten, waren für Max Weber grundlegende Voraussetzung einer jeden Volkswirtschaftspoltik. Die Erhebungen sind heute nur schwer zu bekommen, wohl vor allem deshalb, weil sie so aktuell sind und gute Argumente gegen die heutige Überfremdung Deutschlands liefern.

Im Herbst 1893 heiratet Max Weber Marianne Schnitger. Seine Frau war eine der Hauptfiguren der Frauenbewegung in Deutschland, was zu erheblichen politischen Fehlbeurteilungen sowohl Max Webers als auch seiner Frau führte. Günther Roth schreibt im Vorwort zur Max-Weber-Biographie von Marianne Weber: "Nichts trennt die Mehrheit der alten deutschen Frauenbewegung so sehr vom heutigen Feminismus als der Nationalismus von 1914." Die Gleichung Frauenbewegung=links=internationalistisch galt damals keineswegs.

1896 tritt Max Weber dem national-sozialen Verein Friedrich Naumanns bei. Weber hofft damit, nationale und soziale Ideen zusammenführen zu können. In Zusammenkünften der "bürgerlichen Linken" versucht Weber nationale und soziale Gedanken zu verankern und den Primat des Nationalen durchzusetzen. Max Weber gehört damit zu jenen Wissenschaftlern, die - zumindest damals - auch Einfluß auf im Kern anationale Schichten ausüben konnte.

Von 1893 bis 1899 gehört Max Weber dem Alldeutschen Verband an, der (äußerlich) eine nationale bis nationalistische Politik betrieb. Als sich der antinationale und reaktionäre Charakter dieser Organisation herausstellt, tritt Weber aus. Der Streit entzündet sich an der polnischen Landarbeiterfrage. Die Alldeutschen wollten aus Profitgründen billige polnische Arbeitskräfte als Landarbeiter nach Ostdeutschland holen. Max Weber lehnt dies aus grundsätzlichen Gründen ab; er befürchtet eine Überfremdung und dauerhafte Landnahme deutscher Gebiete.

Ein wichtiger Beitrag Webers zur deutschen Wissenschaftsgeschichte ist sein Schrifttum zur "Objektivität" sozialwissenschaftlicher Erkenntnis. Weber sagt, es könne niemals Aufgabe einer Erfahrungswissenschaft sein, bindende Normen und Ideale zu ermitteln, um daraus für die Praxis Rezepte ableiten zu können. Seine Gegenspieler in dem sich daraus entwickelnden "Werturteilsstreit" sind die Marxisten, die mit ihrer pseudowissenschaftlichen Ideologie den Eindruck zu erwecken versuchen, als ergebe sich ihre Ideologie objektiv aus der Geschichte und den gesellschaftlichen Verhältnissen. Mit der Intoleranz der "68er" Kulturrevolution wurde Max Weber deshalb fast bis zur Unbekanntheit von marxistischen Dogmen verdrängt.

1909 gründet Weber die Deutsche Gesellschaft für Soziologie. Erst seit diesem Zeitpunkt ist nachgewiesen, daß sich Max Weber als Soziologe versteht. Er hatte ja eine juristische Ausbildung und sich danach vor allem mit volkswirtschaftlichen Fragen befaßt.

Aus nationalen Gründen bekämpft Max Weber Teile der deutschen Kriegspolitik im Ersten Weltkrieg, insbesondere wendet er sich gegen immer wieder diskutierte Annexionen. Er fürchtet um die politische Stellung Deutschlands. Eduard Baumgarten faßt in seiner Einleitung zu Max Weber knapp und präzise Webers Haltung zusammen: "Seine Machtstellung Europas zu erhalten, sei gerade Deutschlands Verantwortung vor der Geschichte. Verlöre Deutschland diesen oder den nächsten Krieg, so würde sich im Zentrum Europas ein machtpolitisches Vakuum bilden mit der Folge, daß dann in Bälde die Vereinigten Staaten und Rußland sich zu zweit in die Weltherrschaft teilen werden. Dann werde ein Zeitalter heraufdämmern, in dem die Spielräume der freien und mannigfaltigen europäischen Kulturen ohnmächtig kollabieren werden unter dem kollossalen Andruck von Kulturkämpfen oder Religionskriegen unvorstellbarer Dimension zwischen den Idealen amerikanisch-angelsächsicher Society und den Zielen russischer Polizeistaatsbürokratie als den dann allein noch maßgebenden beiden Weltmächten." Wie klar doch Weber das 20. Jahrhundert voraussah, während heutige Ideologen glauben machen wollen, diese Entwicklung sei eine Folge des Dritten Reiches.

Die "Revolution" vom November 1918 lehnt Max Weber ab. Er prophezeit, daß eine auf der deutschen Niederlage gegründete Republik "zehn Jahre" später von einer Gegenrevolution hinweggefegt würde.

Im Mai 1919 reist Weber als Berater der deutschen Delegation nach Versailles zu den Friedensverhandlungen nach Ende des Ersten Weltkriegs. Als er merkt, daß es den Siegern nicht um Frieden, sondern um Demütigung und Ausbeutung geht, verläßt er die Verhandlungskommission und bekämpft seitdem, insbesondere durch eine Denkschrift "zur Prüfung der Schuldfrage", den Versailler Vertrag. Die Webersche Denkschrift wird als deutsches Weißbuch amtlich veröffentlicht. Weber schreibt darin, daß das deutsche Volk den Kampf 1914 "nur als Verteidigungskrieg gegen den Zarismus ... einmütig und entschlossen aufgenommen" hat.

Zu Beginn der Weimarer Republik demonstriert Weber, daß auch er nicht davon verschont bleibt, theoretische klare Analyse mit praktischer Naivität zu verknüpfen. Er läßt sich in politischer Fehleinschätzung der Kräfteverhältnisse dazu überreden, in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) den damals noch vorhandenen nationalliberalen Flügel zu stärken. Die antinationalen Linksliberalen bekämpfen seinen Versuch, in Frankfurt am Main zum Reichstag zu kandidieren, und verhindern die Kandidatur. Die Nationalliberalen verlassen bald nach der Gründung die DDP, weshalb diese Partei aus späterer Sicht nur als linksliberale Partei bekannt ist.

Am 14. Juni 1920 stirbt Max Weber 56jährig an einer Lungenentzündung nach einem außerordentlich arbeitsreichen Leben in München. Max Weber hat in der Wissenschaftstheorie (Werturteilsstreit), in der Begründung der Soziologie und in seiner gleichermaßen nationalen wie demokratischen Haltung ungewöhnlich viel zur deutschen Geistesgeschichte beigetragen. Seine nationaldemokratische Position in politischen Fragen sollte ihm auch heute wieder mehr Bedeutung beimessen lassen.


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© Winfried Krauß. Letzte Änderung: Januar 1998

http://home.t-online.de/home/Winfried.Krauss/maxweber.htm

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/WeberMax/




Quellentext: Max Weber: Protestantische Ethik


Seine religionssoziologische Untersuchung Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus von 1905 hat Max Weber 1919 einer kompletten Überarbeitung unterzogen. Die protestantisch-asketische Ethik war für ihn der wichtigste Grund für die Entwicklung des okzidentalen Kapitalismus.


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Protestantische Ethik
Die innerweltliche protestantische Askese - so können wir das bisher Gesagte wohl zusammenfassen - wirkte also mit voller Wucht gegen den unbefangenen Genuß des Besitzes, sie schnürte die Konsumtion, speziell die Luxuskonsumtion, ein. Dagegen entlastete sie im psychologischen Effekt den Gütererwerb von den Hemmungen der traditionalistischen Ethik, sie sprengte die Fesseln des Gewinnstrebens, indem sie es nicht nur legalisierte, sondern (in dem dargestellten Sinn) direkt als gottgewollt ansah. Der Kampf gegen Fleischeslust und das Hängen an äußeren Gütern war, wie neben den Puritanern auch der große Apologet des Quäkertums, Barclay, ausdrücklich bezeugt, kein Kampf gegen rationalen Erwerb, sondern gegen irrationale Verwendung des Besitzes. Diese aber lag vor allem in der Wertschätzung der als Kreaturvergötterung verdammlichen ostensiblen Formen des Luxus, wie sie dem feudalen Empfinden so nahe lagen, anstatt der von Gott gewollten rationalen und utilitarischen Verwendung für die Lebenszwecke des Einzelnen und der Gesamtheit. Nicht Kasteiung wollte sie dem Besitzenden aufzwingen, sondern Gebrauch seines Besitzes für notwendige und praktisch nützliche Dinge. Der Begriff des "comfort" umspannt in charakteristischer Weise den Kreis der ethisch statthaften Verwendungszwecke, und es ist natürlich kein Zufall, daß man die Entwicklung des Lebensstils, der sich an jenen Begriff heftet, gerade bei den konsequentesten Vertretern dieser ganzen Lebensanschauung: den Quäkern, am frühesten und deutlichsten beobachtet hat. Dem Flitter und Schein chevaleresken Prunkes, der, auf unsolider ökonomischer Basis ruhend, die schäbige Eleganz der nüchternen Einfachheit vorzieht, setzten sie die saubere und solide Bequemlichkeit des bürgerlichen "home" als Ideal entgegen.

Auf der Seite der Produktion des privatwirtschaftlichen Reichtums kämpfte die Askese gegen Unrechtlichkeit ebenso wie gegen rein triebhafte Habgier, - denn diese war es, welche sie als "covetousness", als "Mammonismus" usw. verwarf: das Streben nach Reichtum zu dem Endzweck, reich zu sein. Denn der Besitz als solcher war Versuchung. Aber hier war nun die Askese die Kraft, "die stets das Gute will und stets das Böse" - das in ihrem Sinn Böse: den Besitz und seine Versuchungen - "schafft". Denn nicht nur sah sie, mit dem Alten Testament und in voller Analogie zu der ethischen Wertung der "guten Werke", zwar in dem Streben nach Reichtum als Zweck den Gipfel des Verwerflichen, in der Erlangung des Reichtums als Frucht der Berufsarbeit aber den Segen Gottes. Sondern, was noch wichtiger war: die religiöse Wertung der rastlosen, stetigen, systematischen, weltlichen Berufsarbeit als schlechthin höchsten asketischen Mittels und zugleich sicherster und sichtbarster Bewährung des wiedergeborenen Menschen und seiner Glaubensechtheit mußte ja der denkbar mächtigste Hebel der Expansion jener Lebensauffassung sein, die wir hier als "Geist" des Kapitalismus bezeichnet haben. Und halten wir nun noch jene Einschnürung der Konsumtion mit dieser Entfesselung des Erwerbsstrebens zusammen, so ist das äußere Ergebnis naheliegend: Kapitalbildung durch asketischen Sparzwang. Die Hemmungen, welche dem konsumtiven Verbrauch des Erworbenen entgegenstanden, mußten ja seiner produktiven Verwendung: als Anlagekapital, zugute kommen.



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Max Weber: Die protestantische Ethik. Eine Aufsatzsammlung. Herausgegeben von Johannes Winckelmann. München 1965, S. 179f.

http://members.tripod.de/morgenrot0815/soz/kap/que.htm



4.2.5 Die Objektivität
Nach Weber führt die bürokratische Organisation dazu, daß die im täglichen Geschäftsgang anfallenden Aufgaben objektiv, also persönlich frei und nur den (schriftlich niedergelegten) Amtspflichten gehorchend erledigt werden. Das Funktionieren der Bürokratie ist soweit wie möglich geschützt von den persönlichen Einstellungen und Gefühlen der Amtsträger. Dadurch ist das Wirken des bürokratischen Apparates in einem hohen Maße vorhersehbar. Außerdem wird der Beamte, angeleitet durch die Vorschriften, stets mit dem Blick auf das Allgemeinwohl handeln, so daß sich niemand benachteiligt fühlen muß und der Fortschritt der Gemeinschaft als Ganzes in optimaler Weise gestaltet wird.

Die folgende Darstellung soll die Grundmerkmale der Bürokratie im Sinne von Max Weber noch einmal verdeutlichen.

http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/~ckraft/referate/mweber.htm



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